Sonntag, 1. Oktober 2017

Die Farben der Königin Nofretete


Nofretete (Ägyptisches Museum Berlin)
Wilhelm Hofmann, der "Herr der Farben", konnte die Entdeckung der Nofretete-Plastik im Jahr 1912 nicht mehr erleben.
Die Büste der Königin Nofretete wurde in Ägypten bei Ausgrabungen von Ludwig Borchardt entdeckt und 1913 im Rahmen einer Fundteilung nach Deutschland gebracht. Durch eine Schenkung ging sie in den Besitz des preußischen Staates über.
Die Büste ist ein Meisterwerk der Bildhauerkunst, sie wurde unter König Echnaton ca. 1340 v. Chr. gefertigt.
Nofretete war die Gemahlin von König Echnaton
Heute ist sie der Star unter allen Objekten im Ägyptischem Museum in Berlin, nicht weit entfernt von der Konzerthalle, wo am 10. 09. die GDCh ihr 150. Jubiläum feierlich beging und Wilhelm Hofmann als Gründungspräsident hervorgehoben wurde.
Dieser wäre sicher von der Farbigkeit der Büste begeistert gewesen, hatte er doch durch die Entdeckung der Anilinfarben einen wesentlichen Beitrag geleistet für die heutige bunte Welt.
Eine C-14-Analyse hatte 1997 eine Altersbestimmung von 3347 Jahren ergeben.
Die Büste mit einer Höhe von 50 cm wiegt 20 kg und besteht aus einem mit einer bemalten Stuckschicht überzogenen Kalkstein.
Ludwig Borchardt ließ 1924 eine chemische Analyse der verwendeten Farben durchführen:
Blau: farbiges Glaspulver mit Anteilen von Kupferoxid
Gelb: Auripigment (Arsen(III)-sulfid)
Grün: farbiges Glaspulver mit Anteilen von Kupfer- und Eisenoxid
Schwarz: Kohle, mit Wachs als Bindemittel
Weiß: Kalk (Calciumcarbonat)

Hautfarbe: feiner Kalkspatpuder mit Anteilen von rotem Kalk (Eisenoxid)
Borchardt schrieb in sein Grabungstagebuch:
"Farben wie eben aufgelegt. Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen.
Jedes weitere Wort ist überflüssig."
Ich kann mich diesem Urteil nur anschließen, auch Hofmann hätte sicher so empfunden!
Eine Ägyptologin schrieb:
"Alle bleiben verwundert stehen, gebannt von ihrer Erscheinung, manche verharren lange reglos, einige kommen nicht nur einmal, sondern immer wieder zurück, als könnten sie kaum glauben, was sie sehen."


Sonntag, 27. August 2017

Jubiläum: 150 Jahre GDCh in Berlin, Hofmann wird Präsident


A. W. Hofmann
Aus aktuellem Anlass ein kleiner Zeitsprung:
Die Gesellschaft Deutscher Chemiker erinnert in einem Festakt am 10. September 2017 in Berlin an die Gründung der Deutschen chemischen Gesellschaft vor 150 Jahren.
https://www.wifo2017.de/
Hofmann war nach 20 Jahren Tätigkeit in London im Jahr 1865 nach Deutschland zurückgekehrt und lehrte jetzt in Berlin. Er konnte auf reichlich Erfahrungen als Mitglied der Londoner chemischen Gesellschaft zurückblicken und war somit prädestiniert für Führungsaufgaben in einer zukünftigen Deutschen chemischen Gesellschaft.
A. Baeyer eröffnete am 11. November 1867 die Gründungsversammlung in Berlin vor etwa 100 Chemikern und übergab Hofmann den Vorsitz der Versammlung.
Hofmann konnte stolz auf das neuerrichtete chemische Institut hinweisen und führte weiter aus:
"wie fruchtbar und segenbringend sich die Tätigkeit der Londoner chemischen Gesellschaft  erwiesen habe, wie sich dieselbe aus kleinen Anfängen heraus zu einer hoch angesehenen und für die Wissenschaft wie die Technik gleich bedeutsamen Körperschaft ausgewachsen habe. Diesem Vorbild sei nachzustreben. Der gegenseitige Gedankenaustausch in Sitzungen werde nicht verfehlen, Anregungen zu fördernden Studien und Forschungen zu geben. Nicht allein der Wissenschaft, auch der Technik würden die Bestrebungen und Leistungen des Vereins zu gut kommen.
Er glaube, den zahlreich versammelten Fachgenossen die Versicherung geben zu können, dass sie dereinst auf diesen Stiftungstag einer chemischen Gesellschaft in Berlin mit Befriedigung zurückblicken werden." 
(Volhard: J. A. W. v. Hofmann:ein Lebensbild, Berlin 1902)
Auf der Mitgliederversammlung im Januar 1868 wurde Hofmann dann zum Präsidenten der Deutschen chemischen Gesellschaft gewählt.
Er wurde "die Seele" der Gesellschaft und konnte noch nicht ahnen, dass er dieses Amt vierzehnmal bekleiden würde.

Hinweis: Auch Hofmann hatte einen Anteil an der Entdeckung der Vanillinsynthese durch seine Assistenten W. Haarmann und F. Tiemann


Vor 150 Jahren in Berlin,
als Hofmann wurde Präsident,
fand man die Formel Vanillin,
und Haarmann war der Assistent.



Sonntag, 30. Juli 2017

Hofmann wechselt zur Universität in Berlin



Der Abschied von London ist Hofmann nicht leicht gefallen. Aber wer hätte sich jäh dem Ruf des Vaterlandes entzogen? Er freute sich, nun wieder in seiner Muttersprache lehren zu können:
Bei dem Gedanken, dass ich fortan wieder die Sprache sprechen solle, die ich mit meinen Eltern , mit meinen Jugendfreunden geredet hatte, in welcher die ersten Worte meiner Lehrer in mein Ohr gedrungen waren, dass ich diese Sprache  sprechen soll auf einer deutschen Hochschule, zu der Jugend  meines deutschen Vaterlandes, bei diesen Gedanken schwanden alle Bedenken. (Erwiderung auf den Toast von Magnus 8.01. 1870)
Der Umzug nach Berlin erfolgte Anfang Mai 1865. Begleitet von seiner Schwiegermutter Mrs. Wilson und deren Schwester Miss Shepley nehmen sie Quartier in der Bel-Etage des Hotel de Rome.
Bereits in der nächsten Woche gegann er am Montag um 9 Uhr seine Vorlesung über Experimetalchemie an der Friedrich-Wilhelms-Universität.
Mit der neuen Umgebung kam er gut zurecht und fühlte sich in Deutschland wieder vollkommen wohl.
Allerdings wurde ihm der Unterschied zwischen der Metropole London und der Provinz Berlin sehr bewusst, und er konnte nicht umhin, seinem Bruder Fritz nach dem 1. Semester voller Spott zu schreiben:

Wie vieles hat sich so ganz anders gestaltet, als ich erwartet hatte. Mit London verglichen, kommt Einem Berlin doch immer vor wie ein grosses Dorf. Die Linden sind allerdings eine grossartige Schöpfung und der Platz zwischen dem Palais des Königs, dem Opernhaus  und dem Palais des Kronprinzen  auf der einen, und der Academie , der Universität  und dem Zeughause  auf der anderen Seite  mit dem Blick  über die Schlossbrücke nach dem alten Schloss, dem Dom und dem Museen ist einer Hauptstadt würdig. Auch der sogenannte Gendarmenmarkt mit dem Schinkel´schen Schauspielhause von vollendeter Schönheit  mit den beiden kuppelgekrönten Thürmen welche  Friedrich der Grosse erbauen liess, ist ein prächtiger Platz. Allein an den beiden reichgegliederten Thürmen hängen, völlig unvermittelt, zwei völlig schmucklose Kirchen  mit hohen rothen Ziegeldächern, welche nicht unschöner gedacht werden können, wodurch der Gesamteindruck des Platzes wieder in hohem Grade beeinträchtigt wird. Ebenso kläglich sind die Häuser; inder endlosen Friedrichstrasse sind die meisten Häuser  zweistöckig, nur hier und da ragt zwischen denselben ein mehrstöckiger Bau empor. Und dann die grässlichen Rinnsteine, welche das Trottoir – berlinisch Bürgersteig – von dem Strassendamm trennen. Was in diesen Rinnstein fliesst oder vielmehrnicht fliesst, ist geradezu unglaublich. Wenn ich zu Tische gehe, führt mich mein Weg durch die Charlottenstrasse, eine Parallelstrasse zur Friedrichstrasse. Dort in nächster Nähe der Linden quamlt in den Rinnsteinen brodelde Seifenlauge, deren Dampf mir jedesmal die Brille beschlägt.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Hofmanns Abschied in London


Der Abschied von dear old England rückte für Hofmann immer näher.
Wie oft hatte er sich nach seinem Vaterland gesehnt und sich gewünscht, dass man sich seiner erinnern würde.
Die wichtigsten Jahre in einem Menschenleben. nämlich 20 Jahre von seinem 27. bis zu seinem 47. Jahr hatte er hier in London verbracht.
Im fielen jetzt die Worte von Goethe  in "Wilhelm Meister" ein:

Was man in der Jugend wünscht,
Hat man im Alter die Fülle.

Er hatte jetzt die Wahl zwischen 2 großen deutschen Universitäten, nämlich Bonn und Berlin.
Hier in London hatte er Wurzeln geschlagen und würde viele Verwandte und Freunde zurücklassen.
Dazu gehörte auch sein Sohn Charles, den er als Witwer in die Obhut von Mrs. Wilson, der Schwester seiner verstorbenen Frau Rosamond geben musste.
Unmittelbar vor seiner Umsiedlung nach Berlin Anfang Mai 1865 gaben seine ehemaligen Schüler ein großes Abschiedsbankett für Hofmann.
Unter den 71 Anwesenden waren viele bekannte Namen wie Abel, Crookes, Perkin, Böttinger, ebenso Ihre kgl. Hoheiten der Graf von Paris, der Herzog von Chartres und der Prinz von Conto, die alle bei Hofmann Vorlesungen gehört hatten.
Als Präsident führte Warren de la Rue den Haupttoast aus und sagte in Anspielung auf den Farbstoff Rosanilin u. a. :
Es ist schon lange her, dass er mich bei seiner geliebten Ani-Lina einführte, damals ein schüchternes Persönchen, die sich in einen Purpurschleier hüllte und verschwand, sobald ihr eine so aufdringliche Person nahe kam wie das Chlor. Sie ist jetzt eine Marine mit zahlreicher Nachkommenschaft, deren Namen alle behalten zu haben ich mich nicht rühmen kann. Namen entschlüpfen leicht, und manche kann man ohnehin kaum aussprechen. Aber einen habe ich doch behalten, den Namen der einen, die wir Alle bewundern, ihrer schönen Tochter Rosa.
Zum Schluss wurde jedem Teilnehmer ein Bericht über das Abschiedsbankett auf Pergament mit den Unterschriften aller Anwesenden überreicht und ebenso eine Fotografie des Professors.
Die Gesellschaft erhob sich und trank den Toast unter enthusiastischen Cheers.
Es folgte das deutsche Lied "Lebewohl"

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Freitag, 30. Juni 2017

Liebig rät Hofmann in England zu bleiben


Justus Liebig (1803 - 1873)
Hofmann für die Lehrstühle Chemie in Deutschland zu berufen war sicher ein höchst glücklicher Gedanke, das galt insbesondere für Berlin.
Keiner der damaligen Lehrer in Chemie an deutschen und ausländischen Hochschulen war so geeignet wie Hofmann.
Bislang führte die Chemie an den preussischen Hochschulen ein kümmerliches Dasein.
Der Ruf nach Hofmann hatte sich inzwischen in den Gelehrtenkreisen herumgesprochen und man konnte sich teilweise nicht vorstellen, dass Hofmann seine glänzende Stellung in London aufgeben würde.
So schrieb Wöhler am 27. März 1863 an Liebig:
Wie mir meine Frau nach einem Zeitungsartikel schreibt, scheint es ausgemacht, dass Hofmann den Ruf erhalten und angenommen hat. Ist er nicht ein Thor, England zu verlassen, oder rechnet er auf die Exspectanz in Berlin?

Liebig selbst hielt gar nichts von dem beabsichtigten Wechsel von Hofmann nach Deutschland. Sehr besorgt schrieb er am 14. November 1863 an seinen ehemaligen Asisstenten und Freund:
Ich habe nie verstehen können, daß Sie sich entschlossen haben, England zu verlassen, ein Land , welchem anzugehören ich für ein großes Glück halte, aus einer ganz unabhängigen Stellung herauszutreten, um sich in die Misere von deutschen Universitätsverhäjtnissen zu begeben;...es müssen bei Ihnen Gründe gewirkt haben, die mir unzugänglich sind, aber wenn auch Bonn manches hat, was Sie in England vermissen, und wenn Sie eine Art Entschädigung für das finden, was Sie aufgeben, so wäre doch Berlin der allerletzte Ort, an den ich gehen möchte. 
Was gäbe ich darum, wenn ich die geisttötenen Prüfungen der Mediziner  und Pharmazeuten hier in München abschütteln könnte, aber in Berlin sind sie vernichtend: ... Ich habe zwar kein Recht, Ihnen alles das zu sagen und Ihnen unaufgefordert meinen Rath oder meine Ansicht aufzudrängen, aber ich betrachte das Band, was uns einstens verknüpfte, von meiner Seite nicht als zerrissen, und es thut mir leid, wenn Sie sich eine Zukunft schaffen, die Ihnen nicht gefallen wird, und in Verhältnisse eintreten, an die Sie sich nicht mehr gewöhnen werden. Dies ist die Meinung aller Ihrer Freunde und Aller, die Ihnen wahrhaft wohl wollen.


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