Dienstag, 30. Dezember 2014

Ferdinand Tiemann: Freund und Berater

Professor Tiemann mit Studenten
Wilhelms erfolgreiche Karriere wäre ohne seinen Freund Ferdinand Tiemann undenkbar gewesen.

Johann Karl Wilhelm Ferdinand Tiemann wurde 1848 in Rübeland im Harz geboren. Seine Vorfahren waren meist Forst- oder Hütten-Leute und hatten ihre Dienste dem Staat gewidmet. Wie schon sein Großvater hatte auch sein Vater zunächst eine Anstellung als Beamter auf der dem Braunschweigischen Staate gehörenden Wilhelmshütte zu Seesen und wohnte dort in einer Dienstwohnung im herzoglichen Jagdschloss. Doch nach Verkauf an eine Aktiengesellschaft musste die Familie nach Braunschweig ziehen. Nach dem Besuch des Realgymnasiums begann Ferdinand seine Berufsausbildung auf Wunsch seines Vaters zunächst als Lehrling in einem Drogengeschäft. Die Tätigkeit sagte ihm aber nicht zu, so sehr er auch später die kaufmännischen Kenntnisse, die er dabei erwarb, verwerten konnte. 

Auf sein Drängen hin durfte er dann 1866 das Studium der Chemie und Pharmazie am Collegium Carolinum zu Braunschweig aufnehmen, nachdem seine begüterte Großmutter die Finanzierung übernommen hatte. Er studierte bei Friedrich Knapp (Liebigs Schwager) und Otto[1] und widmete sich verstärkt der Pharmazie, sicherlich hatte er dabei seinen Onkel vor Augen, der es als Apotheker in Braunschweig zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatte.In Braunschweig lernte er den etwas älteren Studienkollegen Wilhelm Kubel kennen, mit dem er auch nach seinem Studium den Kontakt aufrechterhielt.
Bereits 1869 war sowohl das Apotheker-Examen bestanden als auch das Militärdienstjahr absolviert, so dass er nunmehr eine Entscheidung über seine weitere berufliche Zukunft treffen musste. 
Offensichtlich reizte ihn zunächst eine Forschertätigkeit in der aufblühenden Wissenschaft der organischen Chemie, und was lag da näher, als das Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin[2] bei dem berühmten Organiker A. W. Hofmann fortzusetzen.
Die Anregung kam wohl von seinem Lehrer Knapp, der als Schwager Liebig´s in naher Beziehung zu A. W. Hofmann stand.So trat dann Ferdinand im April seine Reise nach Berlin an mit einem Empfehlungsschreiben von Knapp an Hofmann, der dann später entscheidend für sein ganzes Leben geworden ist. Dort bewilligte ihm Hofmann einen Arbeitsplatz in seinem Laboratorium.
[1] Vorlesungsverzeichnis der Herzogl. Technischen Hochschule Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig 1878: Prof. Dr. Otto für Chemie/Pharmacie 
[2] Heute Humboldt-Universität zu Berlin









Montag, 22. Dezember 2014

Schokolade und Vanille

Für Wilhelm war Schokolade nicht nur eines der höchsten Genussmittel, sondern auch als Markt für sein Vanillin interessant.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann in Spanien die Fabrikation der Schokolade entsprechend der aztekischen Rezepturen, in dieser Zeit dürfte auch die Vanille mit den in Mexiko gebräuchlichen Zutaten der Schokolade nach Spanien gelangt sein. In Deutschland hatte sich die Schokolade in der Mitte des 17. Jahrhunderts durchgesetzt und auch die Vanille wird in den Vorschriften zur Schokoladenvorbereitung erwähnt.


Wilhelm erkannte im Jahr 1889 sofort die Chancen für sein Vanillin in der Schokolade und begab sich zur Verbandstagung der Schokoladenindustrie nach Dresden.
Für sein Vanillin konnte er gegenüber dem Verbandspräsidenten Koch  überzeugend werben:
1. Beim Einsatz von Vanillin statt Vanille erzielt man einen besseren Geschmack

2. Auch nach längerer Lagerung zeigt die Verkostung der Vanillin-Schokolade, dass der Geschmack anhält.

3. Das Nahrungsmittelgesetz stellt Vanillin auf eine Stufe mit Vanille, deshalb darf die mit Vanillin hergestellte Schokolade als Vanille-Schokolade bezeichnet werden.

4.Während beim Einsatz von Vanilleschoten immer Qualitätsschwankungen auftreten, ist bei Verwendung von Vanillin die Produktqualität völlig gleichbleibend.

5. Es ergibt sich beim Einsatz von Vanillin ein Preisvorteil, denn der "Parfümwert" ist 50 : 1. Das bedeutet, für ein Kilogramm Vanilleschoten brauchen Sie nur 20 Gramm Vanillin einzusetzen.

Der Verbandspräsident war sichtlich beeindruckt von Wilhelms Argumenten und versprach, die Informationen bei der Vorstandssitzung weiterzugeben.
Euphorisch verließ Wilhelm das Besprechungszimmer. Jetzt hatte er es richtig geschafft!
Die deutsche Schokoladenindustrie benötigte bislang etwa 4000 Kilogramm Vanilleschoten jährlich, das wären ersatzweise 80 Kilogramm Vanillin.

"Wer eine Tasse Schokolade getrunken hat, der hält einen Tag auf der Reise aus.
Ich tue es immer seit Herr von Humboldt es mir geraten hat."
                                                                                                         Goethe









Montag, 15. Dezember 2014

Das Parfum vom Meeresgrund/Bermuda

Flakon "Piesse and Lubin London"
Gerade wo wir jetzt auf den Bahamas waren, darf dieser sensationelle Parfum-Fund vom Meeresboden der Bermuda-Gewässer nicht unerwähnt bleiben.
Philippe Rouja, ein Ethnologe, tauchte im Juni 2011 hinab zum Wrack der "Mary Celestia", einem Schiff aus den Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges und entdeckte im dunklen Sand eine verkorkte Parfüm-Flasche.
Die "Mary Celestia" versorgte als Blockade-Brecher die Konföderierten im amerikanischen Bürgerkrieg, es wurde allerlei Schmuggelgut aus England für die Südstaaten transportiert.
Im September 1864 war sie nur 800 Meter von der Küste Bermudas gesunken. Die Flasche trug die Gravur "Pisse and Rubin London" und enthielt Flüssigkeit und eine Luftblase. Rouja entschloss sich, die Flasche nicht zu öffnen, sondern provisorisch mit Wachs zu versiegeln und der örtlichen "Bermuda Perfumery" zu übergeben.
Deren Inhaberin Isabelle Ramsay- Brackstone war ganz aus dem Häuschen. Sie ahnte sofort, dass sie etwas besonderes in den Händen hielt und flog zur Analyse nach New York.
Im Labor von "Dorm Flagrances" wurde die Flasche erstmalig geöffnet. "Es roch zuerst nach schmutzigen Papageien-Füße", sagte sie. Ein beißender , starker Geruch entwich dem Fläschchen, einige Bestandteile waren wohl zerfallen. "Aber wir konnten darunter das Original erkennen. Viele Zitrusnoten, Rosenholz, tierische Noten , Ambra und Moschus. Nach Aussagen des Duftarchivs Osmothèque in Versailles könnte es sich bei dem Duft um die Kreation "Opoponax" handeln, sie wird auf alten Etiketten als "konzentrierte Essenz der einheimischen Pflanzen Siziliens" beschrieben.
Isabelle gelingt es mit ihren Parfumeuren den ursprünglichen Duft zu rekonstruieren. In Erinnerung an das Jahr des Schiffbruchs ließ sie 1864 Flaschen herstellen. Die Erlöse (225 Dollar) gehen in eine Stiftung, die sich für den Erhalt von Schiffswracks vor Bermuda einsetzt. Isabelle nannte das Parfum "Mary Celestia", es steckt in einer Holzkiste, wie sein Vorläufer aus dem Wrack.
"Meine Zitrusnoten sind viel besser als die Inhaltsstoffe, die sie damals hatten. Die Neuauflage riecht nach Grapefruit und Neroli, etwas Rosenholz und leichten Anklängen von Ambra und Moschus, sehr elegant", sagte Isabelle Ramsay-Brackstone.
Unser Wilhelm war im Jahr des Untergangs der Mary Celestia im Jahr 1866 noch Schüler am Gymnasium in Holzminden und konnte noch nicht ahnen, dass er eines Tages am Duft des berühmtesten Parfüms 
Chanel N°5 beteiligt sein würde.





Mittwoch, 10. Dezember 2014

Nassau/Bahamas

Paradise Island
Jetzt sind wir richtig angekommen in tropischer Wärme auf den Bahamas mit 28 Grad Celsius.
Wir sind dort angekommen, wo auch die Vanille wächst, etwa auf gleicher Breite  in Mexiko, dem Ursprungsland der Vanilla Planifolia.

Nassau ist die Hauptstadt der Bahamas, eines Inselstaates im Nordatlantik. Sie ist die größte Stadt und liegt auf der Insel New Providence.
Unser Ausflug begann mit einer Fahrt durch Nassau, das Banken- und Touristenzentrum der Bahamas und führte uns zu dem botanischen und zoologischen Garten. Dort konnte man u. a. die farbenprächtigen Flamingos beobachten und filmen.
Nach einem Abstecher zu Paradise Island ging es von Nassau heimwärts mit der Boing 767.
Es war eine Reise ein wenig auf den Spuren von Wilhelm mit einem eindeutigen Höhepunkt vor New York morgens um 6 Uhr. Hier schließe ich mich den Worten von Bestsellerautorin Meike Winnemuth an, die an der Reise teilnahm:
Wir standen morgens um sechs an der Reling und fuhren an der Freiheitsstatue vorbei. Seit ich weiß, dass es Schiffe gibt, und seit ich weiß, dass es die Freiheitsstatue gibt, wollte ich genau das tun. Es war genau so großartig, wie ich immer gedacht habe.
(Stern, 4.12.2014, S.83)

Zu dieser Sternstunde morgens um sechs Uhr durfte ein kühles Glas Sekt trotz eisiger Temperaturen natürlich nicht fehlen. 

  

Montag, 8. Dezember 2014

Charleston

Boone Hall Plantage
Charleston in South Carolina empfing uns mit angenehmen 20 Grad Celsius und einer Regenfront, wobei wir während der Anfahrt zur Bone Hall Plantage trocken im Bus sitzen konnten.

Die Auffahrt der Boone Hall Plantage in der Nähe von Charleston ist über einen Kilometer lang und von uralten Eichen gesäumt. Sie gilt als eine der schönsten in den USA. Die Avenue of Oakes ist die meist fotografierte in den USA, bekannt aus "Vom Winde verweht" und "Fackeln im Sturm", angelegt 1743. 
Herrlich hängt das spanische Moos von den Eichen. Heute wird nicht mehr Baumwolle, sondern es werden Erdbeeren und Pecan-Nüsse geerntet.
Charleston spielte eine besondere Rolle im amerikanischen Bürgerkrieg.
Als Abraham Lincoln zum US-Präsidenten gewählt wurde, trat South Carolina 1860 aus der Union der Vereinigten Staaten aus. Weitere Sklavenhalterstaaten im Süden folgten, da sie fürchteten, dass der Republikaner Lincoln die Sklaverei begrenzen oder gar abschaffen würde. Auftakt der bis heute blutigsten Auseinandersetzung auf amerikanischem Boden war der Beschuss von Fort Sumter in Charleston durch die Südstaaten-Truppen am 12. April 1861. 
Dem technischen Vorsprung des Nordens hatte der Süden bald nichts mehr entgegenzusetzen. Je länger der Krieg tobte, desto härter und unerbittlicher wurde gekämpft. Die Nordstaatentruppen zogen auf ihrem Vormarsch durch das Südstaatengebiet eine fast 100 Kilometer breite Schneise der Verwüstung. 
Schließlich war der Süden ausgeblutet, sodass die Südstaaten-Armee am 9. April 1865 kapitulierte.
Die Führung zur Boone Hall Plantage wurde sehr kompetent von der Deutsch-Amerikanerin Andrea Koch durchgeführt.
Als sich herausstellte, dass sie in den USA eine Internet-Buchhandlung zusammen mit ihrem Ehemann aufgebaut hatte, ergab sich wiederum ein interessanter Anknüpfungspunkt für unseren Wilhelm. Sie versprach zu prüfen, ob "Der Herr der Düfte" interessant für den amerikanischen Markt ist.







Samstag, 6. Dezember 2014

Savannah als Filmkulisse für Forrest Gump

Jetzt umfängt uns die Wärme des Südens und zumindest nähern wir uns Gebieten, wo rein klimatisch die Vanille wachsen könnte. Wir sind in Savannah/Georgia angelangt.
Savannah liegt nicht direkt am Atlantik, sondern 25 Kilometer landeinwärts am Savannah River.
Dass die alte Hafenstadt eine der schönsten Städte der USA ist und als wahres Juwel des Alten Südens gilt, davon können wir uns bei einer Tour mit sogenannten Trolley-Bussen 
überzeugen.
 Mit ihren malerischen Plätzen und vielen interessanten, historischen Stätten bietet Georgias größte Stadt viele Sehenswürdigkeiten.
Fast wirkt Savannah wie eine Kulisse. Und tatsächlich war die Stadt schon häufig in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Der wohl bekannteste Film ist Forrest Gump, als Tom Hanks alias Forrest auf einer Parkbank sitzt und auf den Bus wartet.
Nicht zu vergessen der Film "Vom Winde verweht", dessen Handlung in Georgia spielt.

Das Markenzeichen Savannahs sind 22 geometrisch angeordnete Parks, die meist von einer Statue oder einem Springbrunnen geschmückt werden. Zwischen Magnolien-Bäumen stehen alte Eichen, von denen spanisches Moos wie Spinnweben herunterhängt.
Wir kehren ein in das berühmte Lokal "Six Pence Pub" (Julia Roberts) und überlegen, ob man "Der Herr der Düfte" nicht auf dem amerikanischen Markt bringen sollte, immerhin war Wilhelm ein weit gereister Weltbürger und seine Nachfolgefirma ist ein Global Player.
Im übrigen befinden wir uns nicht weit entfernt von Atlanta, wo Wilhelm jun. das Geheimrezept von Coca-Cola "besorgt" hatte.







Donnerstag, 4. Dezember 2014

New York




Blick vom Rockefeller Center
Verfolgt von der Queen Mary nähern wir uns am 19. November New York. Im Gegensatz zur MS Hamburg hat die Queen Mary ihren Liegeplatz allerdings in Brooklyn. Wir hingegen steuern den besten Liegeplatz der Stadt an: den Hudson River mit seinen  Piers.
Dadurch kommen wir ganz dicht vorbei am Wahrzeichen New Yorks, der Freiheitsstatue auf Liberty Island. Nicht beleuchtet, aber dennoch in der Morgendämmerung auszumachen, ist Ellis Island.
Geradezu unwirklich erhebt sich vor uns die Skyline Manhattans in einem funkelnden Lichtermeer. Was man sonst immer nur auf Bildern oder im Fernsehen sieht, erleben wir nun zum Greifen nah. Als wir den Hudson River hinauffahren, beginnt es bereits zu dämmern. An Pier Nr. 90, inmitten von Manhattan, macht die MS Hamburg fest. Ein eisig kalter (- 3 Grad Celsius), aber sonniger Tag liegt vor uns.
Wilhelm hatte 1903 nicht die Möglichkeit in New York, solch einen Blick auf die Stadt zu werfen. Das Rockefeller Center mit 259 m Höhe wurde erst nach seinem Tod vollendet.
Im Blickfeld liegt das Emire State Building. Es wurde 1930 in nur 410 Tagen im Art Deco Stil im Stadtteil Manhattan erbaut.
(102 Stockwerke und zunächst 381 m hoch, mit Fernsehturm dann seit 1950 Erhöhung auf 448 m)
Soeben wurde das One World Trade Center fertiggestellt. Es ist mit 541 m das höchste Gebäude der USA. Es steht am Ground Zero, wo die Terroranschläge am 11. September 2001 die Zwillingstürme zerstört haben
Ohne Schlangestehen, dafür wieder mit Sicherheitskontrolle wie schon im Rockefeller Center, entern wir abends eines der meistbesuchten Monumente der Welt: das Empire State Building in der Fifth Avenue.  Auch wenn einem hier oben eisiger Wind entgegen schlägt, kann man sich  an dem endlos scheinenden Lichtermeer kaum satt sehen.
Der Kapitän der MS Hamburg hat Mitternacht den richtigen Riecher, vorzeitig lichtet er den Anker und entkommt so dem folgenden Schneesturm in New York.







Dienstag, 2. Dezember 2014

Newport mit seinen Herrenhäusern


The Breakers
Newport, Rhode Island liegt an der Spitze der Insel Aquidneck Island.
Die MS Hamburg mussste auf Reede gehen und wir wurden bei starkem Seegang mit einem Tender ausgebootet.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert wurde Newport als Sommerresidenz des amerikanischen Geldadels populär. Wohlhabende Pflanzer aus dem Süden begannen sich Sommerhäuser am Meer zu bauen, um der Hitze Georgias und Carolinas zu entkommen. Einige Jahrzehnte später taten es ihnen reiche Yankees nach, denn es hatte sich herumgesprochen, dass das Klima in Newport sehr angenehm sei. 
Jede dieser prächtigen Sommerresidenzen, die bescheiden als „Cottages“ bezeichnet wurden, übertrafen sich gegenseitig in Architektur und Innenausstattung. Die Innenausstattung orientierte sich meist an europäischen oder orientalischen Vorbildern sowie historischen Gemälden. Zudem füllten Kunstgegenstände und Möbel aus aller Welt die illustren Räume. Zur Jahrhundertwende verbrachten Amerikas reichste Familien wie die Vanderbilts und Astors ihren Sommer in Newport mit rauschenden Festen, Empfängen, Bällen und Dinners. 
Nach einer Fahrt entlang des 16 km langen Ocean Drive, mit spektakulären Ausblicken auf Herrenhäuser und einsame Buchten erreichten wir "The Breakers". Inmitten eines gut 5 ha großen Parks am Ufer des Atlantiks gelegen, wurde das Anwesen im Stil einer Renaissance-Villa nach dem Vorbild genuesischer Paläste  erbaut.
Der Bauherr war Cornelius Vanderbilt II, ein Enkel der Eisenbahn-Pioniers Vanderbilt, der 1893 für 7 Millionen Dollar dieses Herrenhaus errichten ließ.

Auch Wilhelm konnte sich etwa zur gleichen Zeit als erfolgreicher Unternehmer ein Herrenhaus in Höxter an der Weser errichten lassen. Der Architekt Uhde hatte sich bei dieser Villa am Ziegenberg mit Weserblick und englischem Landschaftsgarten an den Fassaden von florentinischen Renaissancepalazzi  orientiert.

Newport schmückt sich mit dem klangvollen Beinamen „Segelhauptstadt der Welt", denn hier wurde schon mehrmals der America´s Cup ausgetragen, die berühmteste Segelregatta der Welt.
Auch Jackie Kennedy ist in Newport groß geworden. An ihrem früheren Zuhause, der weitläufigen Hammersmith Farm, kommen wir vorbei. Während der Regierungszeit von John F. Kennedy war Newport ein beliebter Treffpunkt der Schönen und Reichen. Hier heiratete Kennedy 1953 sogar seine Jacky in der . Mary's Church von Newport.







Sonntag, 30. November 2014

Harvard Universität in Boston

John Harvard Denkmal
Jenseits des Charles River in Boston liegt Cambridge mit der Universität Harvard.
Hier studieren die klügsten Köpfe der Welt.
Aus weltweit 30000 Bewerbern werden jährlich 2000 herausgesiebt, die hier in 4 Jahren ihren Bachelor erwerben können.
Das strenge Auswahlverfahren erinnert mich an ähnliche Verfahren in Deutschland in der Vergangenheit, heutzutage gibt es das nicht mehr.
Der Namensgeber der weltberühmten privaten Universität war der puritanische Geistliche John Harvard. Er starb 1638 und übergab nach seinem Tod 1638 seine Bibliothek sowie sein halbes Vermögen der Universität.
Laut diversen Rankings ist sie die beste Universität der Welt. Heute besitzt Harvard 92 Bibliotheken mit insgesamt zwölf Millionen Bänden, was der drittgrößte Buchbestand in den USA ist. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus eine Eliteuniversität. Sechs amerikanische Präsidenten haben hier studiert. Zusätzlich finden sich in und um Boston etwa 60 Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Das macht Boston zur absoluten Bildungshauptstadt der Vereinigten
Unser Romanheld Wilhelm hatte sich für sein Studium in Deutschland mit der Georg-August-Universität in Göttingen übrigens auch eine sehr alte Universität ausgesucht, diese wurde 1737 durch Georg II eröffnet. Wilhelm promovierte dort 1872 in Chemie.
Noch ein Wort zur Geschichte in Boston/ Massachusetts:
Etwa 60 Kilometer südlich von Boston fand im Jahr 1620 die Reise der Pilgerväter ihr Ende, der ersten englischen Siedler in Neuengland. Da die Pilgerväter einer besonders radikalen Strömung des Puritanismus angehörten, wurden sie von der anglikanischen Kirche verfolgt. Mit dem Schiff Mayflower segelten 102 von ihnen über den Atlantik und erreichten nach zwei Monaten bei Cape Cod die amerikanische Küste.








Freitag, 28. November 2014

Halifax

Opfer der Titanic
Wir sind wieder online, die Kälte und Feuchtigkeit Nordamerikas waren wohl zu extrem für das Mac Book und den Autor.
Jetzt können wir in Halifax die Schiffsreise fortsetzen auf den Spuren von Wilhelm nach New York.
Halifax war immer schon das Eingangstor für Tausende von Einwanderern nach Kanada, so auch für meinen Pfadfinder-Freund Karl Schwarz, der im Mai 1966 mit der "Stautendam" im Hafen einlief, in Kanada heimisch wurde und heute ein "Wildflower Enthusiast" geworden ist. Er hatte mich übrigens vor den rauen Wetterbedingungen im November gewarnt.
Sicher war Wilhelm entsetzt, als er von dem Untergang der Titanic am 15. April 1912 erfuhr und erinnerte sich intensiv an seine eigene Atlantik-Überquerung mit der "Kronprinz Wilhelm" im Jahr 1903.
Das Foto entstand am 15. November auf dem Fairview Friedhof in Halifax, dort sind viele Opfer der gesunkenen Titanic bestattet. Auf den Grabsteinen sind ergreifende Schicksale dargestellt.
Halifax ist die Hauptstadt Nova Scotias (Neuschottland).
Am Anfang des 19. Jh. zogen 50000 Einwanderer aus dem schottischen Hochland hierher.









Mittwoch, 12. November 2014

Québec


Ankunft in Québec am 12. November um 8 Uhr bei Regen und Sturm bei 4 Grad Celsius.
Samuel de Champlain gründete Québec im Jahr 1608 an der Verengung des St. -Lorenz-Stroms, wo eine Anhöhe Schutz versprach. Doch die Québécois wurden von Anfang an von den Irokesen und von den Engländern bedrängt, denen die strategische Lage der Siedlung auch nicht entgangen war.
1759 gelang schließlich den Briten die Stadt einzunehmen.
Im Jahr 1985 wurde der historische Teil  von Québec  mit seinen engen Gassen  von der UNESCO zum Weltkulturerbe  ernannt. (So wie 2014 das Kloster Corvey, immer ein Zufluchtsort auch für Wilhelm.)
Das Foto entstand heute in der ältesten Einkaufsstrasse Nordamerikas in der Altstadt von Québec.









Montreal

Montreal am St. Lorenz-Strom gelegen,
ist unser Ausgangspunkt für die Schiffsreise südwärts entlang der nordamerikanischen Ostküste.
Das Foto zeigt den Bug der MS Hamburg am Abend (Dienstag 11.11.2014) im Hafen von Montreal am St.-Lorenz-Strom vor der Kulisse der erleuchteten Stadt.
Auf den ersten Blick erscheint Montreal in Kanada mit 1,5 Millionen Einwohnern als typische Metropole aus Glas und Stahl.
Doch Montreal hat als französischsprachige Stadt auch den Charme des alten Europa.
Wir schiffen uns ein auf der MS Hamburg und starten um 20 Uhr in Richtung Québec bei klarem Himmel und 7 Grad Lufttemperatur. 







Samstag, 8. November 2014

Auch Wilhelm war in New York

Passagierschiff Kronprinz Wilhelm
Auch Wilhelm zog es nach New York.
Er wollte den amerikanischen Vanillin-Markt erobern, nachdem er auf der Weltausstellung in Philadelphia bereits 1886 mit seinem Vanillin große Aufmerksamkeit erweckt hatte.
Mit der Firma Schaefer Alkaloid Works aus Maywood in NewJersey hatte er einen geeigneten Partner gefunden.
So begab er sich 1903 mit seinem Sohn Wilhelm jun. mit dem Passagierschiff Kronprinz Wilhelm auf die Reise von Bremerhaven nach New York.
Als großer Schiffsfan hatte er bewusst diesen Doppelschrauben-Schnellpostdampfer ausgesucht, war er doch im Jahr zuvor (1902) Gewinner des  Blauen Bandes geworden.
Die Technik begeisterte ihn: Vier Dampfmaschinen leisteten 33000 PS, die max. Geschwindigkeit betrug 23,5 kn. Und dann diese Ausmasse: 202 m Länge und 20 m Breite!

Wir folgen Wilhelm nach New York auf einer anderen Schiffsroute, nämlich vom 
St.-Lorenz-Strom ausgehend an der Ostküste von Nordamerika. 
Die MS Hamburg ist mit 144 m Länge deutlich kürzer als die Kronprinz Wilhelm, übertrifft diese jedoch in der Breite mit 21,5 m geringfügig.
Wenn die Technik mitspielt, können wir weitere Blog-Beiträge aus Kanada und den USA erwarten.





Donnerstag, 6. November 2014

Vanillin-Rezept

Wilhelm war von Lina Morgensterns Kochbuch begeistert. 
38 Rezepte mit Vanillin hatte sie dort veröffentlicht, von Vanille-Sauce mit Wein bis Vanille-Torten.
Hier vorgestellt sei ihre Creme à la Chateaubriand:

Creme à la Chateaubriand 

Man rührt hierzu ¼ Liter süße Sahne und 8 Eidotter klar, fügt 190 Gr. Zucker dazu und schlägt davon auf dem Feuer eine Crême ab, die man mit 125 Gr. aufgelöster Gelatine vermischt. Vom Feuer genommen, gibt man, wenn ausgekühlt, ein Päckchen Vanillin, ¾ Liter geschlagene Sahne dazu und tut von der Masse drei Finger hoch in eine mit Mandelöl ausgestrichene Form, legt darauf alle Arten eingemachte, abgetropfte Früchte, gießt eine Schicht Crême darüber und fährt so fort, bis die Form ganz gefüllt ist. Ist der Inhalt auf Eis völlig erstarrt, kann man die Crême stürzen, mit Früchten belegen und mit Vanillezucker darüber streuen. 


Das Rezept wurde nachgestellt (s. Foto) mit einigen Abwandlungen:
(7 Eidotter, 400ml süße Sahne, 4 Packungen RUF Gelatine gemahlen je 9 g,
 2 Packungen Vanillin-Zucker je 8 g).
Das Ergebnis war eine äußerst wohlschmeckende Speise.






Freitag, 31. Oktober 2014

Was sagt Köchin Lina Morgenstern zu Vanillin?

Kochrezepte Vanillin
Immer wieder spürte Wilhelm beim Verbraucher eine gewisse Zurückhaltung gegenüber seinem künstlich hergestellten Vanillin.Trotz ständig wachsendem Vanillin-Absatz musste für den Markt viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn der Konsum eines künstlich hergestellten Naturstoffes war für den Konsumenten etwas ganz Neues.

Das galt sowohl für die Hausfrau als auch für die Schokoladenindustrie.

Doch plötzlich war in seinen Augen etwas Wunderbares geschehen. Die bekannte Köchin Lina Morgenstern lobte sein Vanillin, und er hatte sie gleich zu einem Gespräch eingeladen.

Dabei bekräftigte sie ihre Überzeugung, dass es sich bei Vanillin um einen reinen Stoff mit edlem Aroma und Geschmack handelt, den sie sogar gegenüber der Vanilleschote bevorzugt, da diese noch Fette und Harze enthalten, die das feine Vanillearoma ungünstig beeinflussen.

Wilhelm konnte sogar Lina Morgenstern dafür gewinnen, ein Kochbuch für Vanillin-Speisen zu verfassen. 













                                                                                    






Freitag, 24. Oktober 2014

Emil Erlenmeyer forderte Sonderrechte


Emil Erlenmeyer
Unter Wissenschaftlern gab es damals schon zum Teil heftige Auseinandersetzungen über Vorrechte in der Forschung. Auch Wilhelm musste diese Erfahrung machen mit dem berühmten Chemiker Emil Erlenmeyer (Wer kennt nicht den Erlenmeyer-Kolben!).

Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn Forschungsgebiete parallel zueinander bearbeitet werden, nur sollten dabei gewisse Regeln eingehalten werden. 
Erlenmeyer experimentierte bereits mit Nelkenöl und beschrieb1875 in Liebig`s Annalen:

Das zur Untersuchung verwendete Eugenol war aus Nelkenöl gewonnen, welches Wassermann durch Destillation von gepulverten Gewürznelken mit Wasserdampf selbst dargestellt hatte. Die erzielte Ausbeute war ziemlich hoch, aus je zehn Pfund Nelken wurde ein Pfund ätherisches Oel erhalten. Nach weiterer Aufarbeitung und Destillation erhielt man eine farblose Flüssigkeit. Sie roch angenehm aromatisch, an Nelken erinnernd und besaß einen scharfen brennenden Geschmack.

Außerdem hatte Erlenmeyer darauf hingewiesen, dass man durch Einwirkung gewisser Chemikalien auf Eugenol Vanillin erhalten kann, allerdings war Tiemann mit der Veröffentlichung etwas schneller.

Nun verlangte er Sonderrechte für sich in Bezug auf dieses Forschungsgebiet, keiner sollte ihm seinen Vorrang streitig machen.
Tiemann meinte dazu:
Ich würde sagen, als Liebig-Schüler und Mitglied der Bayrischen Akademie der Wissenschaften ein wenig arrogant, diese Haltung.































Freitag, 17. Oktober 2014

Freund Robert Koch kann nicht helfen

Robert Koch / 3. v. rechts
Es wird Zeit, wieder etwas von Wilhelm und der Vanille zu berichten, möglichst jeweils rechtzeitig zum Wochenende.

Im 19. Jahrhundert gab es für viele Infektionskrankheiten noch kein Heilmittel. Das musste auch Wilhelms Familie spüren, die im Jahr 1884 inzwischen mit dem Sohn Wilhelm jun. und den Zwillingen Luise und Aenne deutlich angewachsen war. 

Wilhelm war ziemlich verzweifelt. Was nützte ihm sein Erfolg, wenn Krankheiten die Familie heimsuchten und die Medizin oft nicht helfen konnte.

Aromastoffe hin und Aromastoffe her, er hätte Arzneimittel entwickeln sollen. Sein kleiner Wilhelm war plötzlich an Scharlach erkrankt und sein Vetter und Arzt Carl konnte der Familie nicht mehr helfen, da Typhus ihn selbst dahingerafft hatte.
Ein guter Freund der Familie war Robert Koch, der ein berühmter Arzt geworden und inzwischen durch seine Arbeiten über Milzbrand und Wundinfektionen an das Kaiserliche Gesundheitsamt in Berlin berufen worden war.
Doch dieser befand sich auf einer Expedition nach Ägypten und Indien , um eine dortige Cholera-Epidemie zu bekämpfen.

Doch damit nicht genug, am nächsten Tag waren zusätzlich beide Mädchen krank. Luise hatte eine Mandelentzündung und Aenne scheinbar eine schwere Krankheit.
Der Hausarzt murmelte etwas von Diphtherie, war aber unsicher.
So wurde der Assistent von Robert Koch aus Berlin gerufen, der eindeutig bestätigen konnte, dass es sich um die Bakterie Corynebacterium Diphtherie handelte, die soeben am Kaiserlichen Gesundheitsamt identifiziert worden war.
Am 22. Februar hatte Aenne den Kampf verloren. Ein plötzlicher Herzstillstand beendete alle Hoffnungen.
Langsam ging Wilhelms Fieber zurück, und eines Tages im Mai stand Robert Koch vor der Tür und sagte:
Was nützen mir mein Empfang beim Kaiser und die fürstliche Belohnung, wenn ich hier erstens zu spät komme und zweitens mir medizinisch die Hände gebunden sind, meine liebe Luise. Ich kann Dir zumindest versichern, dass der kleine Wilhelm über den Berg ist. Wir alle können nur hoffen, dass es uns in Zukunft gelingt, diese schrecklichen Infektionskrankheiten besser zu bekämpfen.

Montag, 13. Oktober 2014

Nachlese zur Buchmesse

Leser von "Der Herr der Düfte" mit Autor
Wilhelm ist angekommen auf der Buchmesse in Frankfurt, jetzt muss er sich durchsetzen gegen Tausende von Neuerscheinungen und vielleicht auch gegen den Trend.
Wie schreibt der Kulturspiegel dieses Monats?
Schreiben Sie ein Panikbuch! Themen gibt's doch reichlich:
Das Geld - bald weg! Unsere Daten - jetzt schon futsch! …Die westliche Welt - am Arsch!…Ruhig dick auftragen! Fakten gerne weglassen!




Aber zurück zur Messe: Es ist immer wieder ein großartiges Ereignis und man hat die Chance berühmte Schriftsteller zu sehen.

Leider war Paulo Coelho schon weg.

Sicherlich hätte er amüsiert gelächelt, wenn ich ihm zum Signieren mein altes Lieblingsbuch von 2002 "Auf dem Jakobsweg" gereicht hätte. (Immerhin hat es mich inspiriert den Weg zu gehen).
Es ist sowieso erstaunlich, dass er den weiten Weg von Brasilien trotz seiner Herzerkrankung nicht gescheut hat, aber er hatte ja auch seine Neuerscheinung "Untreue" im Gepäck.

Dienstag, 7. Oktober 2014

"Der Herr der Düfte" auf der Buchmesse Frankfurt

Wilhelm hat es auf die Buchmesse Frankfurt geschafft.
Ab Mittwoch ist der Roman "Der Herr der Düfte" (1.Version) einzusehen. Halle 3.1, Stand J61), auf dem Gemeinschaftsstand für Kleinverlage. 
(ISBN 978-3-940751-91-1) 
Im Buchhandel ab Montag: 12.80€
Am allgemeinen Besuchertag Samstag wird sich auch der Autor dort von 12 Uhr an für zwei Stunden aufhalten. 

Herausgebracht von dem kleinen regionalen Verlag Jörg Mitzkat, immerhin ausgezeichnet mit dem "Stern der Woche".
Wird Wilhelm eine Chance haben gegen die Großen der Branche mit ihren Werbemöglichkeiten und wird der Autor ein Publikum finden mit seiner Geschichte aus der Welt der Duftstoffe? Mit einer wahren Geschichte über eine faszinierende Forscher-Persönlichkeit, wissenschaftlich aufgearbeitet und nicht ohne Spannung und vielleicht  auch Poesie? 
Aber wie schafft man es, auf einer Buchmesse  auf eine "Longlist" zu kommen , so wie es Ulrike Draesner mit ihrem Roman "Sieben Sprünge vom Rand der Welt" erreicht hat, ihre Lesung konnte ich in der letzten Woche besuchen.
Ein unbekannter Autor hat es sehr schwer, ohne Sponsoring und Unterstützung von Stiftungen ein Buch zu publizieren. So bleibt es nur übrig, auf einen kleinen glücklichen Zufall zu warten, dass das Buch vielleicht in die richtigen Hände gerät.
Lassen wir zum Schluss noch einige Lektorate zu Wort kommen:
-Der Roman "Der Herr der Düfte" erscheint uns sehr interessant…
-Sie findet, dass der Roman gut erzählt ist, auch der historische Hintergrund und die wissenschaftlichen Fakten sind nicht trocken aufzählend in den Roman integriert, sondern farbenfroh erzählt…
-…Ihr Manuskriptes, das uns ganz ausgezeichnet gefällt….Aufgrund eines sehr positiven internen Lektoratsgutachtens, das Ihr Werk als insgesamt hochinteressant und gut beurteilt, hat unsere Lektoratskonferenz einstimmig dafür votiert…
-Auf faszinierende Art präsentieren Sie dieses geruchsintensive Werk. Durch verschiedene Jahrhunderte bringen Sie dem Leser  die Einzigartigkeit  von bekannten Pflanzen  und Gewürzen  und deren synthetische Herstellung näher. Hierbei stehen ebenso unterschiedliche Menschen und deren Verbindung zueinander im Mittelpunkt. Diese hervorragend erarbeitete Geschichte hat mich begeistert und überzeugt. Werden wir durch die wortgewandte Darstellung immer tiefer in die Szenerie hineingezogen, was geschickt zum Weiterlesen verführt. Der Text stellt ein informatives und grossartiges Leseerlebnis dar.
Lassen Sie mich an dieser Stelle eine Zeile aus Ihrem Manuskript zitieren, welche den bildhaften Charakter  Ihres Buches  sehr gut widerspiegelt und jeden weiteren Kommentar erübrigt: 
"Zur Trennung versuchte er es mit einer Destillation, und zu seiner Überraschung bekam er aus der gefärbten Lösung ein wasserhelles, klares Destillat und auch ein aromatischer Duft lag in der Luft."
Es gibt noch viel aus der Welt von Wilhelm zu berichten, deshalb wird der Blog wöchentlich fortgeführt.

Montag, 6. Oktober 2014

Wilhelm benötigt Nelkenöl für Vanillin

Ernte von Nelkenblüten/Sansibar
Gewürznelken waren schon immer ein begehrtes Handelsobjekt, sie werden auch einfach als Nelken oder Nägili bezeichnet aufgrund der an Nägel erinnernden Form der Knospen.

Die Gewürznelken sind die getrockneten Blütenknospen des Gewürznelken-Baumes (Syzygium aromaticum), der eine Höhe von zehn Metern erreichen kann und ursprünglich auf den Molukken (Gewürzinseln) vorkam. Inzwischen werden große Mengen auf Sansibar und Madagaskar angebaut.

Nähert sich der Besucher einer Gewürznelken-Plantage, so liegt der schwere und würzige Geruch, betäubend nahezu, in der Luft. So weit das Auge reicht, reihen sich die Bäume mit Trauben von gelbgrünen Knospen. Auf dreibeinigen Holzgestellen (s.Abb.) waren früher die Sklaven mit der Ernte beschäftigt.

Sie sammelten per Hand die Blütenknospen in Körben, bevor diese zum Blühen gelangten, von den teilweise bis zu 10 Meter hohen Gewürznelkenbäumen ein. Anschließend wurden sie getrocknet.
Ätherische Öle mit einem Anteil von bis zu 85% Eugenol verleihen dann den braunen Knospen den charakteristischen Geschmack. Neben Eugenol findet man noch ca. 10% Eugenolacetat und ferner Caryophyllen, Heptanol und Nonalol.
Eugenol hat betäubende Eigenschaften und wird gegen Zahnschmerzen eingesetzt. In der Küche verwendet man Gewürznelken zum Würzen von Saucen, Lebkuchen sowie Fleisch-und Fischgerichten.
Wilhelm dagegen benötigte die ätherischen Öle mit dem hohen Anteil an Eugenol für sein Vanillin, so dass die Gewürznelken zuvor noch einer Destillation unterworfen werden mussten.

Freitag, 3. Oktober 2014

Die Gewürznelke bringt den Durchbruch

Gewürznelke/Sansibar
Wilhelm war froh, dass er Karl Reimer als Partner und Ideengeber für seine Firma gewinnen konnte, wenn auch die Reimer-Tiemann Synthese letztlich nicht zum gewünschten Erfolg führte.
Sie konnten damals noch nicht ahnen, dass bei dieser Synthese auch eine Variante des Vanillins entsteht, die unangenehm riecht und schwer zu trennen ist.

Allerdings war Reimer durch sein Kriegsleiden so geschwächt, dass er sich Immer wieder durch Kuraufenthalte in Montreux regenerieren musste.

Doch dann kam eines Tages ausgerechnet von Reimer der entscheidende Anstoß, als er sagte:

„Ich glaube an die Gewürznelke als Retter in der Not. Sie ist als Gewürz auf dem Markt und kann gut aus Sansibar importiert werden. Daraus gewinnt man Nelkenöl mit einem hohen Anteil Eugenol, unserem gesuchten Rohstoff.“

Wilhelm erinnerte sich daran, dass Tiemann und er schon einmal diesen Gedanken hatten.
 Ihnen fiel die Ähnlichkeit der Struktur zwischen Vanillin und Eugenol auf.

Sie gingen an die Arbeit.
Das Eugenol aus den Gewürznelken zu isolieren, war kein Problem.
Dann wurde es schwieriger. Monatelang wurde probiert und probiert.
Sie fanden einen chemischen Trick über Essigsäure. Sie bekämpften Nebenprodukte.
Sie fanden einen gangbaren Weg.
Zum Schluss hatte Tiemann die zündende Idee. Eine Umlagerung zu Isoeugenol sollte man vorschalten.
Sie waren am Ziel und nahmen Patente.

Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit Reimer.
 Bereits 1881 war seine Kraft aufgezehrt, und er war gezwungen, die Mitarbeit aufzugeben. Er erhoffte sich Linderung seiner Leiden im Süden.
Im fernen Sizilien empfing er Nachrichten über den Siegeszug des neuen Verfahrens mit dem Nelkenöl aus Sansibar.
Er starb mit 38 Jahren in Sizilien völlig unbeachtet von der Öffentlichkeit.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Ein neuer Weg zum Vanillin?

Karl Reimer
Zunächst eine Information zur Buchmesse an meine Leser:
Sie finden den Roman "Der Herr der Düfte" auf der Messe in Frankfurt ab 8.10. in Halle 3.1/Stand J61 zur Ansicht. (Gemeinschaftsstand Kleinverlage, Jörg Mitzkat Verlag).

Heute geht es noch einmal ein wenig in die Welt der Chemie:
Im Jahr 1876 suchte Wilhelm nach einem neuen Weg zum Vanillin.
Er hatte im Frühjahr zwar wieder Roh-Coniferin im Schwarzwald gewonnen, doch die Ausbeute war ausgesprochen mäßig.
Deshalb hatte er den fähigen jungen Chemiker Karl Reimer eingeladen.


"Mein lieber Reimer, willkommen in Holzminden, die Landluft wird Ihnen gut tun.“
„Das erhoffe ich mir auch, wir als Kriegsteilnehmer haben doch schon in jungen Jahren alle unsere Leiden.“
Sie unterhielten sich über ihre Kriegseinsätze und Reimer berichte vom böhmischen Feldzug 1866 und dem Kugelhagel in Königgrätz.

Reimers Entdeckung über eine neue Synthese von Phenolaldehyden war sehr vielversprechend, deshalb brauchte Wilhelm ihn hier. Er würde sich freuen, wenn Reimer sein Teilhaber werden würden.
Mit Tiemann zusammen hatte Reimer eigentlich diesen neuen Weg entdeckt, und insofern war er ihm auch zu Dank verpflichtet.

Das Höchste, was ein Wissenschaftler erreichen könne, war schon immer eine Namensverbindung mit einer Entdeckung, fand er.
Professor Hofmann hatte sogar prophezeit, dieser neue Weg könne als Reimer-Tiemann-Reaktion in die Chemie-Geschichte eingehen.

Als Ausgangsprodukt musste er ja entsprechend der Reimer-Tiemann-Synthese ein Phenol wählen, und das war ein Produkt aus dem Buchenholzteer mit dem Namen Guajacol. Es war eine ölige Flüssigkeit mit einem starkem gewürzhaften Geruch.

Wochenlang erhitzte und destillierte er mit Chloroform und Alkali und erprobte die verschiedenen Mischungen, dann hatte er ein Ergebnis.
Es  handelte sich zweifelsfrei um Vanillin, aber irgend etwas stimmte noch nicht, er merkte es am Geruch.  Außerdem war die Ausbeute miserabel.

Nach Wochen mussten sich beide Chemiker eingestehen, dass sie in eine Sackgasse geraten waren, oder anders ausgedrückt, sie waren in ihrem Bemühen um ein besseres Verfahren gescheitert. Denn nur absolute Reinheit war die Voraussetzung für eine Konkurrenz mit der Gewürzvanille.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Vanillin-Gewinnung in Frankreich

Georges de Laire
In einer Woche beginnt am 8.10. die Buchmesse in Frankfurt, auf der mein Roman "Der Herr der Düfte" vorgestellt wird (Halle und Stand wird noch bekanntgegeben).
Doch nun zurück zu Wilhelm

Wir müssen einen kleinen Zeitsprung machen, denn er ist inzwischen glücklich mit seiner Luise verheiratet und sein Jugendschwarm Bertha mit Professor Hofmann.

Die Vanillin-Fabrikation läuft gut, und er beschließt mit seinem Partner Tiemann, die Fabrikation nach Frankreich auszudehnen. 
Wilhelm hatte ihn dringend gebeten, diese Reise im Geschäftsinteresse der Vanillin-Fabrik anzutreten.
Es ging um Patente und eine mögliche Produktion von Vanillin in Frankreich.In England hatten sie sich bereits 1874 mit dem Patent Nr. 700 die Vanillin-Synthese absichern lassen. Die Patentschrift galt deshalb als Geburtsurkunde der Riechstoff-Industrie. In Frankreich war die Rechtslage anders. Das französische Patentgesetz schrieb vor, dass das in Frankreich erteilte Patent auch im Lande ausgeführt werden sollte.
Professor Hofmann konnte aufgrund seiner Beziehungen zu französischen Chemikern hier wertvolle Vorarbeit leisten.
Tiemann hatte ein Empfehlungsschreiben an den Chemiker Cahour in der Tasche, der ihm Hofmanns ehemaligen Schüler Georges de Laire vorstellen würde. 

In Paris erwartete ihn schon am Bahnhof Herr Cahour, und sie nahmen gemeinsam die Kutsche in den Vorort Ris-Orangis, wo Georges de Laire mit Charles Girard, übrigens ebenfalls ein Hofmann-Schüler, eine chemische Fabrik besaßen.


Georges war über den Besuch sehr erfreut:
„Lieber Tiemann, Sie kommen wie gerufen. Es gibt große Absatzschwierigkeiten mit unseren künstlichen Farbstoffen. Wir haben schon einen Käufer für unsere Fabrik gefunden und würden gern direkt in Paris einen neuen Standort suchen, um mit der Vanillin-Herstellung zu beginnen.“

Zurück in Holzminden, konnte er Wilhelm von seiner erfolgreichen Mission berichten.

Die Firma Dr. Haarmann & de Laire & Co. wurde in der Rue St. Charles in der Nähe des Marsfeldes errichtet. 
Als erstes musste Georges de Laire in die Waldgebiete um Paris ziehen, um Roh-Coniferin zu gewinnen. Anschließend genügten wenige Wochen, um nach den überlassenen Vorschriften das reine Vanillin in der neuen Fabrik herzustellen.

Georges war äußerst zufrieden, als er das erste aromatische Vanillin-Pulver in den Händen hielt. Was waren das doch für geniale Chemiker-Kollegen in Deutschland, die diese Synthese entwickelt hatten, natürlich alle Schüler vom großen Hofmann!


Das war jetzt seine Zukunft auf dem französischen Markt, er würde zusammen mit Wilhelm gute Gewinne machen.

Dienstag, 30. September 2014

Weltausstellung Philadelphia

Weltausstellung 1876
Wilhelm hatte die glänzende Idee, schon zwei Jahre nach seiner Fabrik-Gründung, das Vanillin der Öffentlichkeit auf der Weltausstellung in Amerika vorzustellen.

Am 10. Mai 1876 läuteten überall die Glocken in Philadelphia. 
Anlaß war die Eröffnung der ersten offiziellen Weltausstellung in den USA, genau 100 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung.

Das Austellungsgelände lag im Fairmount Park am Ufer des Schuylkill River.
Es wurde moniert, dass für Krupps Waffensysteme nahezu 90 Prozent des für Deutschland reservierten Platzes in der Maschinenhalle belegt waren und gefragt, ob das wirklich repräsentativ für dieses Land sei.
Aber zum Glück galt diese Kritik nicht der deutschen chemischen Industrie, die wiederum eine Kollektivschau veranstaltete, die übrigens auch prämiert wurde.

So zeigte die Firma Saame & Co aus Ludwigshafen das zur Narkose benötigte Chloroform, die Firma F. von Heyden aus Dresden die ebenfalls in der Medizin eingesetzte Salicylsäure sowie die Chemische Fabrik E. Schering Chloralhydrat, Gallussäure und Kaliumjodid.

Doch inmitten der mehr oder weniger großen Glasschränke namhafter Firmen aus Deutschland erblickte der erstaunte Besucher etwas Besonderes.
Eher unscheinbar waren sieben geschliffene Glaszylinder mit facettierten Abdeckungen in einem schmalen Fach aufgereiht, in denen sich ein weißes Pulver befand, welches beim Öffnen ein unvergleichliches Aroma verbreitete, viel intensiver als eine Gewürzvanille.

Ein Reporter berichtete: 
Die Glasgefäße enthalten eines der merkwürdigsten Präparate der deutschen chemischen Abteilung, nämlich den von Dr. Wilhelm Haarmann in Holzminden an der Weser hergestellten aromatischen Stoff der Vanilleschote. Dieses künstliche Vanillin wird aus dem Cambialsaft von Tannen und Fichten gewonnen und bereits zu einem Preis in den Handel gebracht, der den des rohen Vanillins in den Vanilleschoten nicht nur nicht übersteigt, sondern noch weit unter dem Handelswert der Vanille bleibt.
Im fernen Europa registrierte Wilhelm mit Freude diese große Aufmerksamkeit in Amerika, und er nahm sich vor, bei Gelegenheit einmal selbst über den Atlantik dorthin zu fahren. Erst kürzlich hatte er gelesen, dass die Germanic mit einem neuen Geschwindigkeitsrekord und einem Schnitt von 16 Knoten die Überfahrt in 7 Tagen geschafft hatte.

Montag, 29. September 2014

Fichtensaft für Vanillin

Als Vanillin-Fabrikant benötigt Wilhelm nach seiner Erfindung nunmehr Fichtensaft.

Er wußte, nur wenn die Säfte steigen, also zwischen Mai und Juli, kann die Fichtensaftgewinnung erfolgen.

"Aber um diese Zeit werden bei uns keine Bäume gefällt, sondern im Winter", meinte Tiemann.


„Das ist richtig, aber ich habe schon eine Lösung gefunden. Ich muss örtlich flexibel sein und dort hingehen, wo der Holzeinschlag im Frühling erfolgen muss, aufgrund der Höhenlage. Ich denke da z.B. an den Thüringer Wald.“

„Ein zweites und noch größeres Problem ist in meinen Augen der geringe Coniferinanteil im Fichtensaft. So lassen sich aus einer Fichte, die 20 Meter lang ist, nur etwa ein Liter Cambialsaft gewinnen, das entspricht einem Anteil von 4 Gramm Coniferin. Oder anders ausgedrückt, für 1 Kilogramm des begehrten Coniferins müssen 250 Fichten entsaftet werden.“

„Wegen der vielen Bäume mache ich mir keine Sorgen, denn die werden für den Holzbedarf sowieso eingeschlagen, die Saftgewinnung ist schließlich nur ein Nebenprodukt.

Aber jetzt musste er erst einmal eine Reise in den Thüringer Wald organisieren.
Es war schon ein seltsames Schauspiel, was sich dann im Frühjahr 1874 auf einer Lichtung im Wald bei Oberhof abspielte.
25 Frauen arbeiteten wie besessen an Baumstämmen mit Löffeln und Schwämmchen, schwätzten dabei abwechselnd und sangen Volkslieder, und zwischendurch klapperten ihre Blechtöpfe. 
In der Mitte trohnte Wilhelm an einem Lagerfeuer mit dampfendem Kessel und rauchte eine Zigarre.
Wanderer vom Rennsteig rieben sich die Augen und konnten sich keinen Reim daraus machen. Was für ein seltsames Schauspiel. Sie konnten nicht ahnen, dass dort im Kessel die Existenzgrundlage für eine zukünftige chemische Fabrik brodelte.