Montag, 15. Dezember 2014

Das Parfum vom Meeresgrund/Bermuda

Flakon "Piesse and Lubin London"
Gerade wo wir jetzt auf den Bahamas waren, darf dieser sensationelle Parfum-Fund vom Meeresboden der Bermuda-Gewässer nicht unerwähnt bleiben.
Philippe Rouja, ein Ethnologe, tauchte im Juni 2011 hinab zum Wrack der "Mary Celestia", einem Schiff aus den Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges und entdeckte im dunklen Sand eine verkorkte Parfüm-Flasche.
Die "Mary Celestia" versorgte als Blockade-Brecher die Konföderierten im amerikanischen Bürgerkrieg, es wurde allerlei Schmuggelgut aus England für die Südstaaten transportiert.
Im September 1864 war sie nur 800 Meter von der Küste Bermudas gesunken. Die Flasche trug die Gravur "Pisse and Rubin London" und enthielt Flüssigkeit und eine Luftblase. Rouja entschloss sich, die Flasche nicht zu öffnen, sondern provisorisch mit Wachs zu versiegeln und der örtlichen "Bermuda Perfumery" zu übergeben.
Deren Inhaberin Isabelle Ramsay- Brackstone war ganz aus dem Häuschen. Sie ahnte sofort, dass sie etwas besonderes in den Händen hielt und flog zur Analyse nach New York.
Im Labor von "Dorm Flagrances" wurde die Flasche erstmalig geöffnet. "Es roch zuerst nach schmutzigen Papageien-Füße", sagte sie. Ein beißender , starker Geruch entwich dem Fläschchen, einige Bestandteile waren wohl zerfallen. "Aber wir konnten darunter das Original erkennen. Viele Zitrusnoten, Rosenholz, tierische Noten , Ambra und Moschus. Nach Aussagen des Duftarchivs Osmothèque in Versailles könnte es sich bei dem Duft um die Kreation "Opoponax" handeln, sie wird auf alten Etiketten als "konzentrierte Essenz der einheimischen Pflanzen Siziliens" beschrieben.
Isabelle gelingt es mit ihren Parfumeuren den ursprünglichen Duft zu rekonstruieren. In Erinnerung an das Jahr des Schiffbruchs ließ sie 1864 Flaschen herstellen. Die Erlöse (225 Dollar) gehen in eine Stiftung, die sich für den Erhalt von Schiffswracks vor Bermuda einsetzt. Isabelle nannte das Parfum "Mary Celestia", es steckt in einer Holzkiste, wie sein Vorläufer aus dem Wrack.
"Meine Zitrusnoten sind viel besser als die Inhaltsstoffe, die sie damals hatten. Die Neuauflage riecht nach Grapefruit und Neroli, etwas Rosenholz und leichten Anklängen von Ambra und Moschus, sehr elegant", sagte Isabelle Ramsay-Brackstone.
Unser Wilhelm war im Jahr des Untergangs der Mary Celestia im Jahr 1866 noch Schüler am Gymnasium in Holzminden und konnte noch nicht ahnen, dass er eines Tages am Duft des berühmtesten Parfüms 
Chanel N°5 beteiligt sein würde.





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