Dienstag, 30. September 2014

Weltausstellung Philadelphia

Weltausstellung 1876
Wilhelm hatte die glänzende Idee, schon zwei Jahre nach seiner Fabrik-Gründung, das Vanillin der Öffentlichkeit auf der Weltausstellung in Amerika vorzustellen.

Am 10. Mai 1876 läuteten überall die Glocken in Philadelphia. 
Anlaß war die Eröffnung der ersten offiziellen Weltausstellung in den USA, genau 100 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung.

Das Austellungsgelände lag im Fairmount Park am Ufer des Schuylkill River.
Es wurde moniert, dass für Krupps Waffensysteme nahezu 90 Prozent des für Deutschland reservierten Platzes in der Maschinenhalle belegt waren und gefragt, ob das wirklich repräsentativ für dieses Land sei.
Aber zum Glück galt diese Kritik nicht der deutschen chemischen Industrie, die wiederum eine Kollektivschau veranstaltete, die übrigens auch prämiert wurde.

So zeigte die Firma Saame & Co aus Ludwigshafen das zur Narkose benötigte Chloroform, die Firma F. von Heyden aus Dresden die ebenfalls in der Medizin eingesetzte Salicylsäure sowie die Chemische Fabrik E. Schering Chloralhydrat, Gallussäure und Kaliumjodid.

Doch inmitten der mehr oder weniger großen Glasschränke namhafter Firmen aus Deutschland erblickte der erstaunte Besucher etwas Besonderes.
Eher unscheinbar waren sieben geschliffene Glaszylinder mit facettierten Abdeckungen in einem schmalen Fach aufgereiht, in denen sich ein weißes Pulver befand, welches beim Öffnen ein unvergleichliches Aroma verbreitete, viel intensiver als eine Gewürzvanille.

Ein Reporter berichtete: 
Die Glasgefäße enthalten eines der merkwürdigsten Präparate der deutschen chemischen Abteilung, nämlich den von Dr. Wilhelm Haarmann in Holzminden an der Weser hergestellten aromatischen Stoff der Vanilleschote. Dieses künstliche Vanillin wird aus dem Cambialsaft von Tannen und Fichten gewonnen und bereits zu einem Preis in den Handel gebracht, der den des rohen Vanillins in den Vanilleschoten nicht nur nicht übersteigt, sondern noch weit unter dem Handelswert der Vanille bleibt.
Im fernen Europa registrierte Wilhelm mit Freude diese große Aufmerksamkeit in Amerika, und er nahm sich vor, bei Gelegenheit einmal selbst über den Atlantik dorthin zu fahren. Erst kürzlich hatte er gelesen, dass die Germanic mit einem neuen Geschwindigkeitsrekord und einem Schnitt von 16 Knoten die Überfahrt in 7 Tagen geschafft hatte.

Montag, 29. September 2014

Fichtensaft für Vanillin

Als Vanillin-Fabrikant benötigt Wilhelm nach seiner Erfindung nunmehr Fichtensaft.

Er wußte, nur wenn die Säfte steigen, also zwischen Mai und Juli, kann die Fichtensaftgewinnung erfolgen.

"Aber um diese Zeit werden bei uns keine Bäume gefällt, sondern im Winter", meinte Tiemann.


„Das ist richtig, aber ich habe schon eine Lösung gefunden. Ich muss örtlich flexibel sein und dort hingehen, wo der Holzeinschlag im Frühling erfolgen muss, aufgrund der Höhenlage. Ich denke da z.B. an den Thüringer Wald.“

„Ein zweites und noch größeres Problem ist in meinen Augen der geringe Coniferinanteil im Fichtensaft. So lassen sich aus einer Fichte, die 20 Meter lang ist, nur etwa ein Liter Cambialsaft gewinnen, das entspricht einem Anteil von 4 Gramm Coniferin. Oder anders ausgedrückt, für 1 Kilogramm des begehrten Coniferins müssen 250 Fichten entsaftet werden.“

„Wegen der vielen Bäume mache ich mir keine Sorgen, denn die werden für den Holzbedarf sowieso eingeschlagen, die Saftgewinnung ist schließlich nur ein Nebenprodukt.

Aber jetzt musste er erst einmal eine Reise in den Thüringer Wald organisieren.
Es war schon ein seltsames Schauspiel, was sich dann im Frühjahr 1874 auf einer Lichtung im Wald bei Oberhof abspielte.
25 Frauen arbeiteten wie besessen an Baumstämmen mit Löffeln und Schwämmchen, schwätzten dabei abwechselnd und sangen Volkslieder, und zwischendurch klapperten ihre Blechtöpfe. 
In der Mitte trohnte Wilhelm an einem Lagerfeuer mit dampfendem Kessel und rauchte eine Zigarre.
Wanderer vom Rennsteig rieben sich die Augen und konnten sich keinen Reim daraus machen. Was für ein seltsames Schauspiel. Sie konnten nicht ahnen, dass dort im Kessel die Existenzgrundlage für eine zukünftige chemische Fabrik brodelte.

Freitag, 26. September 2014

Wilhelm wird Vanillin-Fabrikant

Im Sommer 1874 war für Wilhelm der große Moment gekommen, und es zeichnete sich ab, dass er nun Vanillin-Fabrikant werden konnte.

Zuhause hatte sein Vater schon seine Beziehungen spielen lassen, um einen geeigneten Ort für die Produktion zu finden.

In Altendorf am Holzmindebach war er fündig geworden, und mit seinem Zuschuß konnte Wilhelm ein Gelände mit Schuppen erwerben, in dem einst eine Schleifmühle stand.
Vor allem besaß er inzwischen ein wichtiges Dokument zum Schutz seines Verfahrens. Vom Herzog Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg war das Privilegium für  Wilhelm, Vanillin aus Coniferin darzustellen im Mai vom Kaiserlichen Postamt versandt worden.
So versammelte sich am 1. August eine kleine Gruppe in dem Schuppen, neben seinem Vater als Geldgeber waren noch sein wissenschaftlicher Berater und stiller Teilhaber Tiemann sowie sein erster Angestellter, der Apotheker Koken und sein Anwalt Benecke anwesend.
Der Anwalt entrollte die Gründungsurkunde der Vanillinfabrik, während Wilhelm eine Flasche Sekt öffnete.
Wilhelm war unendlich stolz, jetzt konnte er endlich in seinen eigenen vier Wänden loslegen.

Donnerstag, 25. September 2014

Vanillin-Patente

Vannilin-Patent in England
An dem Roman "Der Herr der Düfte" werden die letzten Korrekturen durchgeführt.

Der junge Verlag Jörg Mitzkat - erst kürzlich ausgezeichnet mit dem "Stern der Woche" von der Initiative der Neuen Westfälischen, der Lippischen Landeszeitung und des Haller Kreisblattes -, bringt das Buch zur Buchmesse heraus. Ab 8. Oktober wird dann der Wissenschaftsroman in Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Doch jetzt zurück zu Wilhelm. Auf einer Studienreise zusammen mit Tiemann hatte er in England zahlreiche Fabrikationen kennengelernt, so zu sagen als Vorbereitung für seine zukünftige Tätigkeit als Riechstoff-Fabrikant:

Sie besichtigten riesige Fabriken mit Tausenden von Arbeitern, in dieser Dimension ihnen völlig unbekannt.
Dabei waren neben Stahlwerken, Textilfabriken auch chemische Fabriken, die sie natürlich besonders interessierten.
Dort hergestellt wurde Schwefelsäure, Soda, Stärke, Chromat und Alaun.

Jetzt wurde es Wilhelm doch ein wenig bange, auf was er sich als Chemiker da alles einlassen musste. 
Auch Tiemann war beeindruckt und fühlte sich insgeheim bestärkt, sich mehr der reinen Wissenschaft und Lehre zu widmen. 

Für Wilhelm war nach der Reise klar, auch in England sollte er sein Vanillin-Verfahren schützen lassen.
 Deshalb hatte er sich frühzeitig dort die Vanillin-Synthese patentieren lassen mit dem Patent Nr. 709 im Jahr 1874. Die Patentschrift wurde schon früh als die Geburtsurkunde der Riechstoff-Industrie bezeichnet.

Mittwoch, 24. September 2014

Vanillin-Privilegium

Privilegium
Ein Blog ist wie eine tägliche Zeitung, wenn er regelmäßig geführt bzw. "gepostet"wird, wie es heute heißt, ist aber zeitlich schwer durchzuhalten für den Verfasser.
Am Wochenende kann dann der Leser versäumte Beiträge nachholen, oder auch ältere Posts aufrufen, wenn er mag.

Ich freue mich über jeden Leser, der mehr wissen möchte über die Vanille und über "Den Herrn der Düfte" und wie die Geschichte weitergeht.

Nach der bahnbrechenden Entdeckung der Synthese von Vanillin, dem Hauptaromastoff der Vanille, aus Fichtensaft, musste Wilhelm sich dieses Verfahren schützen lassen.


In der damaligen Zeit gab es für jedes deutsche Königreich oder Herzogtum ein eigenes „Privileg“. So wurde z.B. in diesem Fall am 10. April 1874 in Gotha durch den Herzog von Sachsen Coburg und Gotha für  Wilhelm  das Privileg beurkundet, Vanillin darzustellen aus Coniferin.

Auch vom Herzog Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg wurde das „Privilegium" für Wilhelm  am 14. Mai 1874 vom Kaiserlichen Postamt versandt.

Dienstag, 23. September 2014

Wilhelm entdeckt die Formel

Vanillin
Die heutige Seite ist wohl mehr etwas für Chemie-Experten, allerdings steckt schon eine Vereinfachung in der Beweisführung.

Die Strukturformel von Vanillin war zur damaligen zeit völlig unbekannt.

Auch der Nichtchemiker kann an der ringförmigen Struktur seine Freude haben.

Doch schauen wir, wie Wilhelm neben Tiemann zu der sensationellen Strukturaufklärung kam.
„Welche Struktur verbirgt sich hinter der Substanz Vanillin, wie sind die acht Kohlenstoff-Atome miteinander verknüpft, was meinst Du?“ fragte Wilhelm, als sie zu später Stunde im Laboratorium eine kleine Pause einlegten.
„Ich glaube an eine Ringstruktur ähnlich wie Benzol, der Sauerstoff befindet sich wohl in Seitenketten.“
„Ich habe schon gewisse Vorstellungen über diese funktionellen Gruppen aufgrund meiner Versuche“, antwortete Wilhelm, „denn die Substanz bildet mit Basen Salze, daraus läßt sich ableiten, dass eine Hydroxylgruppe vorliegen muß. 
Außerdem läßt sich mit einer Jodverbindung noch eine andere Gruppe nachweisen.
Die reduzierenden Eigenschaften schließlich deuten auf eine Aldehydgruppe hin, die häufig bei Aromastoffen anzutreffen ist.“

„Aber wo sitzen diese drei Gruppen am Benzolring, wenn wir das wüßten, hätten wir die Struktur aufgeklärt.“

„Ich habe da so eine Idee“, meinte Wilhelm,“ der Schlüssel liegt meiner Meinung bei einer bereits erforschten Substanz, die in ihrer Struktur ähnlich dem Vanillin aufgebaut ist. Es handelt sich dabei um eine Säure, dort sitzen die drei Seitengruppen in 1-, 3- und 4-Stellung am Benzolring.“

„Aber dort sind ja doch zwei Seitengruppen ganz anderer Natur.“
„Ja, das ist richtig, aber man könnte doch beim Vanillin sowohl die Aldehyd- als auch die Methoxygruppe chemisch umwandeln, um dann zu schauen, was dabei herauskommt?“
„Das ist genial“, beeilte sich Tiemann zu entgegnen.

Wilhelm begann sofort mit den Versuchen.

Die Abbaureaktion wurde durchgeführt mit Kaliumhydroxid und man gelangte tatsächlich zu der bereits bekannten Säure (Protocatechusäure).

„Das ist jetzt der Strukturbeweis“, rief Tiemann voller Freude aus, „denn wir sind eindeutig bei der bestimmten Säure angelangt!“

„Also haben wir festgestellt, beim Vanillin sitzen die Seitenketten in 1, 3 und 4-Positionen am Benzolring,“ jubelte Wilhelm. 

Voller Stolz riefen sie am nächsten Morgen ihren Professor ins Laboratorium.
Dieser war wie vom Donner gerührt. Hofmann schnupperte lange den Vanilleduft, der von den zarten Kristallen ausging.

Montag, 22. September 2014

Heureka Vanilleduft

Vanillin-Kristalle
Heute bin ich gezwungen, den Leser etwas stärker in die Welt der Chemie mitzunehmen, denn für Wilhelm ist der Tag der damals sensationellen Entdeckung gekommen.
Nach den schrecklichen Kriegserlebnissen regte sich allmählich bei Wilhelm der Gedanke an Berlin. 

Plötzlich war alles wieder gegenwärtig, voller Unruhe packte er seinen Koffer im Frühjahr 1872 und eilte zur Bahnstation. Jetzt hielt ihn nichts mehr auf, die Welt gehörte der Wissenschaft! 

Von früh morgens bis spät in die Nacht war das Laboratorium von Professor Hofmann in der Universität jetzt Wilhelms Zuhause, und er begann mit seiner Suche im Reagenzglas.
Warum sollte man es nicht mit einer Säurespaltung und gleichzeitiger Oxidation versuchen?

Wilhelm versetzte Coniferin mit Schwefelsäure und Kaliumdichromat und zeigte sich beeindruckt, als die Reaktion heftig einsetzte.

Es brodelte und zischte und erhitzte sich.

Zur Trennung versuchte er es mit einer Destillation, und zu seiner Überraschung bekam er aus der gefärbten Lösung ein wasserhelles, klares Destillat und auch ein aromatischer Duft lag in der Luft!

Jetzt brauchte Wilhelm viel Geduld mit dem Destillat, Tag für Tag und -  frei nach Goethe -  ließ er kristallisieren, wie es im Faust heißt, zumindest stellte er sich dieses Wachsen von Kristallen so vor.
An jedem Morgen eilte er voller Unruhe ins Labor, doch die Lösung war jedes Mal unverändert klar.
Am 20. Tag wollte er etwas probieren, Tiemann hatte von Impfkristallen gesprochen, das sei eine gute Methode, um nachzuhelfen.
Doch als er voller Tatendrang ins Labor stürmte, war das Wunder perfekt: 
Feine weiße Nadeln zeigten sich am Boden des Becherglases!
Und beim Abfiltrieren war der Vanilleduft plötzlich da!
Heureka![1]
Der Geruchsprobe nach zu urteilen, war tatsächlich zum ersten Mal das Vanillin der Gewürzvanille im Reagenzglas erzeugt worden!
[1] grch. „ich hab´s gefunden“, Ausruf des Archimedes bei der Entdeckung des Gesetzes vom spez. Gewicht

Freitag, 19. September 2014

Schreckliche Kriegserlebnisse statt Vanille-Forschung

Kaiserproklamation in Versailles
Wilhelm hatte an der Front ein schreckliches Erlebnis, als vor seinen Augen sein Vetter durch eine Granate ums Leben kam.
Nur mühsam konnte er sich von diesem Schock erholen, ein ständiges Zittern hatte sich eingestellt und schreckliche Albträume verfolgten ihn im Schlaf.

Trotz Kriegsende und Kaiserproklamation von Wilhelm I von Preussen zu Versailles am 18. Januar 1871 wurden nicht alle deutschen Truppen abgezogen, und Wilhelm musste weiterhin seinen anstrengenden Dienst als Einquartierter in Paris leisten.
Seine Kriegseuphorie war längst vergangen, besonders nach dem Verlust des Vetters.
So zog sich die Zeit endlos hin und Wilhelm sehnte sich nach seinem Arbeitsplatz in Berlin. Was hätte er inzwischen alles über die Vanille erforschen können, oft sah er in seinen Träumen die Gewürzvanille vor sich, wie sie reifte und sich bei Sonne und Hitze in die schokoladenfarbigen Schoten verwandelten, die dann ihr charakteristisches Aroma entwickelten.

Am 15. Mai kam der ersehnte Befehl zum Rückzug seiner Einheit nach Berlin. Wilhelm war fast trunken vor Freude und der Rücktransport ging ihm nicht schnell genug. Mit seinen Entlassungspapieren im Gepäck eilte er von Berlin nach Holzminden zu seinen Eltern. Er fühlte sich ausgebrannt und leer und wollte nur schlafen, schlafen und noch einmal schlafen, ein wenig durch die Wälder im Solling streifen und am Weserfluss sitzen.

Donnerstag, 18. September 2014

Wilhelm meldet sich zum Kriegsdienst

Belagerung von Paris
Momentan wird viel vom Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und vom Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren berichtet. 

Auch Jay widmet sich diesem Thema und schreibt in seinem Blog über seinen Großvater und erinnert an die Schlacht an der Marne.




Alles im Leben wiederholt sich scheinbar, auch unser Wilhelm zieht es 1870 mit Begeisterung in den Krieg.Die Zeitungsboten des Berliner Tageblatts schrien es am 19. Juli 1870 in alle Himmelsrichtungen. Frankreich hat Preußen den Krieg erklärt, ausgelöst durch die Einmischung Frankreichs bei der der spanischen Thronfolge und als Reaktion auf die Emser Depesche. 

Die Empörung darüber war riesig bei Wilhelm und all seinen Kommilitonen, ja in der gesamten Bevölkerung.
Für Wilhelm war klar, Forschung hin und Doktorarbeit her, jetzt hatte das Vaterland Vorrang. 
Bereits zwei Tage nach der Kriegserklärung traf sein Bruder August aus Holzminden in Berlin ein, zu ihrem Glück und wurden sie noch im letzten Moment als Einjährig-Freiwillige bei dem Königlich Preußischen Gardefüsilier-Regiment angenommen. 
Es hatten sich bereits 700 gemeldet, so dass kurz nach ihnen die letzten wegen Überfüllung abgewiesen wurden. 
Für ein Jahr wollte er nur ein tüchtiger Soldat sein, um dann mit aller Kraft seine Studien fortzusetzen.
Am 29. August ging es endlich um 12 Uhr bei strömendem Regen am Bahnhof los! 

Für uns interessant sind Wilhelms Eindrücke von der Eisenbahnfahrt vor 144 Jahren an die Front im Westen:
Die Bevölkerung nahm regen Anteil, so gab es in Potsdam Kaffee und Kuchen und in Magdeburg Butterbrote und Bier.
In Hannover dagegen morgens um 8 Uhr war die Begrüßung eher kühl wie das Wetter.In Minden beeindruckten Wilhelm die Porta Westfalica und in Bielefeld die hübsche Lage am Teutoburger Wald.
In Gütersloh wurden die Soldaten wieder gut bewirtet durch aufmerksame Damen und in Hamm ging es mit dem Kochgeschirr zu Trögen voll Brei zur allgemeinen „Abfütterung“ .In Dortmund beeindruckten in der folgenden Nacht um 2 Uhr die mächtigen Rauchschlote und in Essen die grossen Fabriken.

Der Krieg war inzwischen weit fortgeschritten, und die siegreichen deutschen Truppenverbände standen tief in Frankreich. 
Endlich gelangte Wilhelm an die Frontlinie südlich von Paris. 

Mittwoch, 17. September 2014

Wer erforschte bereits das Vanillin?

Nicolas Theodore Gobley
Wir schauen wieder etwas in den Roman "Der Herr der Düfte", denn es nähert sich der Beginn der Frankfurter Buchmesse. 
Wir wissen nun seit gestern, dass Wilhelm durchaus eine romantische Seite hat.

Wilhelm stürzte  sich wie besessen in seine Laborarbeit und vermied, Fragen über Bertha seinem Kollegen und Freund Tiemann zu stellen. Diese weilte noch einige Zeit in Berlin bei ihrem Bruder, am Rande bekam Wilhelm schon mit, dass sie auch die Bekanntschaft mit seinem  Professor Hofmann machte, der seit einiger Zeit Witwer war.

„Wenn Du der Natur auf die Schliche kommen willst, musst Du Dich an der Gewürzvanille orientieren,“ regte Tiemann an, „ das aromatische Prinzip, also der typische Vanille-Duft ist ja bekanntermaßen auf den Hauptinhaltsstoff, das Vanillin, zurückzuführen.“

Wilhelm besorgte sich alles an Forschungsergebnissen, was bislang über Vanillin bekannt war.
Schon früh hatten Gewürzhändler und Farmer an der Oberfläche der schokoladebraunen Vanilleschoten feine Kristalle entdeckt und es entstand die Bezeichnung "Eisvanille". Diese verspricht die höchste Qualität, ähnlich wie der Weinstein beim Wein. 
Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts interessierten sich Chemiker für die Kristalle und entwickelten den Ehrgeiz, als erste die Formel zu entdecken. 

Der französische Chemiker Nicolas-Theodore Gobley hatte sich Bourbon-Vanille aus den französischen Anbaugebieten in Übersee besorgt und bereits vor 11 Jahren umfangreiche Experimente mit den Kristallen angestellt und auch den Namen Vanillin kreiert: 
 je propose de désigner sous le nom de Vanillin,  wie Wilhelm recherchieren konnte. 

Mit den Kristallen hatte er sogar eine Elementaranalyse durchgeführt, die zu einer Summenformel führte, die allerdings in Wilhelms Augen noch zu beweisen war, da war er eher skeptisch. 
Dieser Naturstoff mit der Bezeichnung Vanillin und dem wundervollen Aroma der Gewürzvanille, die man für viel Geld beim Gewürzhändler kaufen konnte, musste in einer ihm noch unbekannten Art und Weise in dem Coniferin bzw. dem Fichtensaft . enthalten sein, da war er ganz sicher. Schließlich gab das Auftreten des Vanillegeruches beim Experimentieren mit chemischen Substanzen einen deutlichen Hinweis.

Dienstag, 16. September 2014

Wilhelm berichtet Bertha von der Vanille-Forschung

Die ersten vier Wochen im Laboratorium waren wie im Flug vergangen, und Wilhelm sehnte sich langsam nach etwas Abwechslung nach getaner Laborarbeit, als Tiemann für eine Überraschung sorgte.

„Am Wochenende kommt meine Schwester Bertha aus Braunschweig zu Besuch, wir könnten ja zu dritt eine Landpartie machen, wenn du einverstanden bist,“ sagte er zu Wilhelm. 

Wilhelm wurde rot bis hinter die Ohren, in solchen Dingen war er nicht geübt. Wie kam er raus aus dieser Nummer, er war doch Forscher und kein Reiseführer. 
Auf der anderen Seite, etwas Abwechslung täte ihm gut. So sagte er zu und ging mit klopfendem Herzen am Wochenende zum Treffpunkt mit den Geschwistern Tiemann.
Bertha hatte helle Augen und Grübchen in den Wangen, Wilhelm trug artig den Picknick-Korb und man fuhr gemeinsam mit der Pferdedroschke zum Wannsee. 
Es wurde ein unbeschwerter Nachmittag, man lag auf dem Rücken und schaute in den blauen Himmel, irgendwo in der Ferne erklang voller Wehmut eine Melodie, gespielt auf einer Ziehharmonika. 
Wilhelm schaute oft zu Bertha, es ließ sich nicht vermeiden. 
Nach der Rückkehr wurde er ganz nachdenklich. Er musste daran denken, dass Bertha wie zufällig gelegentlich seine Hand berührt hatte. 
Er wusste im nach hinein auch nicht mehr, was ihn bewogen hatte, ihr von seinen Forschungsplänen zu berichten. Beim Erwähnen des Vanilleduftes leuchteten ihre Augen, und sie bestärkte ihn, alles daran zu setzen, diesen aufzuklären und zu forschen, zu forschen und noch einmal zu forschen. 
Wilhelm bekam eine Gänsehaut und feuchte Hände, mit dieser leidenschaftlichen Ermunterung hatte er nicht gerechnet.

Montag, 15. September 2014

August Wilhelm Hofmann erwartet Wilhelm Haarmann

August Wilhelm Hofmann
Es war Frühling in Berlin, man zählte das Jahr 1869 und das schöne Wetter lockte die Leute zum Flanieren auf den Alleen oder in den Grunewald.

Hofmann dachte zurück an seine Zeit in London, wohin ihn der Prinzgemahl Albert nach einer Empfehlung Liebigs gelockt hatte, und er zu höchsten Ehren kam.

Das College of Chemistry durfte er in London gründen, und die junge Königin Victoria besuchte häufig seine Vorträge, sie war es auch, die schließlich durchsetzte, dass er geadelt wurde.

Jetzt war er schon seit fünf Jahren hier in Berlin an der Friedrich-Wilhelms-Universität und führte seine Vorlesungen und Forschungen im Chemischen Institut in der Georgenstrasse durch.


Heute waren ihm zwei hoffnungsvolle Studenten aus dem Harz-Weser-Raum mit Empfehlungen von Knapp und Wöhler angekündigt worden. 
Es dauerte nicht lange, und der Labordiener brachte zwei schüchterne junge Männer aus der Provinz in sein Arbeitszimmer. Sie hielten verlegen ihren Strohhut in der Hand und fragten an, ob der Herr Professor einen Laborplatz gewähren könne, man sei Tag und Nacht zur Arbeit bereit, auch hätten sie eine interessante Substanz mit dem Namen Coniferin im Gepäck, vielleicht dürfe man neben den Gebiet der Farbstoffe auch diese Verbindung bearbeiten?

Der jüngere der beiden mit Namen Tiemann fiel ihm auf durch sein gepflegtes Aussehen, der ältere mit Namen Haarmann durch seinen hellen freundlichen Blick.
Es imponierte ihm auch, dass sie auch bereits ein chemisches Rätsel mitbrachten.
Und auf die Empfehlungsschreiben seiner Gelehrtenfreunde konnte er sich immer verlassen. 
So bewilligte er spontan zwei Laborplätze und bat seinen Labordiener , die beiden Assistenten einzuweisen.

Freitag, 12. September 2014

Studium in Berlin

Berlin Universität um 1850

Wilhelm merkte  zunehmend, dass im experimentellen Bereich seine Begabung schlummerte. 

Allerdings fühlte er sich immer mehr angezogen von der Chemie der belebten Natur, von der Chemie der Kohlenstoff-Verbindungen, von den Verbindungen des Benzols.

Gerade kürzlich hatte August Kekulé von der Universität in Bonn die ringförmige Struktur des Benzols vorgestellt.

Aber eigentlich interessierte er sich am meisten für den Naturstoff Holz, vielleicht auch deshalb, weil schon Generationen seiner Vorfahren Förster in den Fichtenwäldern seiner Heimat im Weserbergland waren, von deren Wirken abenteuerliche Geschichten mit Wilddieben und Schießereien überliefert wurden.

Er hatte auch schon von interessanten chemischen Untersuchungen des Holzes durch einen Forstwissenschaftler gehört, vielleicht konnte er demnächst als angehender Chemiker hier ansetzen.

Er müsste sich halt mehr der organischen Chemie zuwenden, da gab es doch die Kapazität an der Friedrich–Wilhelms-Universität in Berlin, nämlich August Wilhelm Hofmann, dort könnte er seinen Lehrmeister finden.
Also entschloss er sich vom Studienort Göttingen nach Berlin zu wechseln.

Donnerstag, 11. September 2014

Friedrich Wöhler war sein erster Lehrmeister

Friedrich Wöhler

Zunächst studierte Wilhelm 1866 für ein Jahr an der Bergakademie Clausthal und verlebte dort, wie er sagte, ein vergnügliches Jahr mit Freunden mit wenig wissenschaftlicher Ausbeute

Da gab es doch die berühmte Universität in Göttingen, da wollte er nun hin. Die Eltern waren einverstanden, schließlich lag Göttingen ja quasi vor der Tür. Voller Eifer wechselte Wilhelm den Studienort und war sehr gespannt auf den berühmten Professor Friedrich Wöhler, schon im Gymnasium hatte er von ihm gehört und auch von seiner aufregenden Synthese gelesen. Unvergessen waren ihm dessen Zeilen an seinen Lehrmeister Berzelius in Stockholm: 


Ich kann Harnstoff machen, ohne dazu Nieren oder überhaupt ein Thier, sey es Mensch oder Hund, nöthig zu haben. Es bedurfte nun weiter Nichts als einer vergleichenden Untersuchung mit Pisse-Harnstoff, den ich in jeder Hinsicht selbst gemacht hatte, und dem Cyan-Harnstoff.

Das hatte Wilhelm schon immer imponiert, eine enorme Leistung! Ein Naturstoff, in diesem Fall Harnstoff, wurde künstlich im Reagenzglas aus Cyansäure hergestellt, was für ein Triumph der Wissenschaft. Und die deftigen Worte, welche dieser berühmte Wissenschaftler wählte, das imponierte dem jungen Wilhelm ungemein.

Doch Wöhler war der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen, ja direkt bescheiden wirkte er auf seine Studenten. Wie überrascht war Wilhelm, als Wöhler, der ja immerhin auch auf dem Gebiet der Metalle mit der Darstellung von Aluminium Aufmerksamkeit erweckt hatte, ihm im Praktikum das Experimentieren mit dem Edelmetall Platin anvertraute. Er wollte ihn auf keinen Fall enttäuschen und von Experiment zu Experiment stellte sich so mancher Erfolg ein.

Mittwoch, 10. September 2014

Justus Liebig als Vorbild

Justus Liebig
Wilhelm wollte gern Chemiker werden. 
Sollte doch sein Bruder Otto das Geschäft mit dem Steinhandel übernehmen, das sein Vater als Oberkommissair führte.
Ein Chemiestudium würde ihn auch hinausführen aus dem beschaulichen Holzminden mit seinen nur 4000 Einwohnern, da gab es Göttingen, Braunschweig oder sogar Berlin.

Sein großes Vorbild neben Robert Bunsen war der berühmteste Chemiker weltweit, nämlich Justus Liebig.

Inzwischen war auch die Akzeptanz dieses Berufes in der Gesellschaft gewachsen. Ihm konnte heutzutage nicht mehr das passieren, was der junge Justus in der Schule erleben musste, als er seinen Berufswunsch nannte:


Als einst der ehrwürdige Rektor des Gymnasiums bei seiner Visitation meiner Klasse auch an mich kam und mir die ergreifendsten Vorstellungen über meinen Unfleiß machte, wie ich die Plage meiner Lehrer und der Kummer meiner Eltern sei, und was ich denn dächte, was einst aus mir werden sollte, und ich ihm zur Antwort gab, daß ich ein Chemiker werden wolle, da brach die Schule und der gute alte Mann in ein unauslöschliches Gelächter aus, denn niemand hatte eine Vorstellung davon, daß die Chemie etwas sei, was man studieren könne.
Justus von Liebig

Für meine Leser gebe ich noch den Hinweis auf das 1920 gegründete sehr sehenswerte Liebig-Museum Gießen.


Dienstag, 9. September 2014

Was verbindet Wilhelm mit Robert Bunsen?

Robert Bunsen
Sowohl Wilhelm als auch Robert Bunsen besuchten in Holzminden das Herzogliche Gymnasium an der Wilhelmstraße, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten.

Zunächst war Wilhelm Schüler der Bürgerschule in der Neuen Straße und von April 1858 bis zum Oktober 1866 des Gymnasiums, übrigens das heutige Campe-Gymnasium.

Mit sechs weiteren Schülern legte er das Abitur ab, nämlich Benecke, Koch, Pockels, Sportleder, Schütte und Schwenke. 
Wilhelm  besuchte gern das Gymnasium, besonders der Chemieunterricht hatte es ihm gemeinsam mit seinem Mitschüler Pockels angetan, gab es doch dort bei den Experimenten immer etwas zu beobachten, etwas zu Riechen und manchmal auch zu Schmecken.


Als Vorbild galt auch ein berühmter ehemaliger Schüler des Gymnasiums, ihm wollte er gern nacheifern. Inzwischen war Robert Bunsen Chemiker und Professor geworden und hatte schließlich den Bunsen-Brenner entwickelt. Zusammen mit dem Physiker Kirchhoff war ihm sogar die Entwicklung der Spektralanalyse gelungen, mit deren Hilfe man neue Elemente entdecken konnte.
  

Montag, 8. September 2014

Geburtshaus an der Weser

Pfarrhaus / Zollhaus
Es ist an der Zeit, dass wir uns wieder Wilhelm zuwenden, dem späteren Herrn der Düfte.
In diesem schmucken Fachwerkhaus, das direkt an der Weser liegt, wurde Wilhelm am 31. August 1847 in Holzminden geboren.
Wilhelms  früheste Kindheitserinnerungen sind schon mit der Weser verknüpft. Häufiges Hochwasser führte dazu, dass das Elternhaus nur noch mit dem Boot zu erreichen war. Im Winter prallten gelegentlich Eisschollen an Haustür und Wände. 

Auf der Tafel am Zollhaus wird Wilhelm als bedeutender Sohn der Stadt (noch) nicht erwähnt, aber es gibt einen Hinweis auf seinen Vater:
"nach 1800 Sitz der Administrationen Sollingstein-Sandsteinbrüche".
Wilhelm war das erste Kind des Oberkommissairs und Administrators der Sollinger Steinbrüche. Als ehemaliger herzoglich-braunschweigischer Zollinspektor wohnte er in dem alten Zollhaus 10 direkt an der Weser.

Dieses Geburtshaus von Wilhelm ist heute noch im Kern erhalten. Das historische Fachwerkhaus, dessen Giebel ursprünglich mit typischen Sollinger Sandsteinplatten verkleidet war, ist inzwischen renoviert worden und zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt.
Gegen Ende des 17. Jh. wohnte hier der Abt Toppius, deshalb entstand die Bezeichnung “altes Abtshaus bzw. Pfarrhaus.“ Wegen der Lage an der Weser glaubte man früher, dass hier der Zolleinnehmer wohne, so entstand die Bezeichnung „Altes Zollhaus“, die auch heute noch verwendet wird. Ebenso gebräuchlich war die Bezeichnung „Fährhaus“. Bevor 1884 an dieser Stelle die erste Weserbrücke gebaut wurde, überquerte bei Bedarf ein flacher Kahn die Weser.

Freitag, 5. September 2014

Fichtensaft und Vanillearoma


Theodor Hartig
Für Wilhelm sollte die Fichte (picea abies), die überall in unseren Wäldern anzutreffen ist, später einmal eine große Bedeutung gewinnen.
Gab es doch eine rätselhafte Beziehung zwischen zwischen ihr und dem Vanille-Aroma.
Ein Forstwissenschaftler und ein Apotheker gaben den Anstoß.
Der Braunschweiger Forstwissenschaftler Professor Theodor Hartig  experimentierte 1861 mit dem Cambialsaft von Nadelbäumen, den man vornehmlich im Frühjahr während der Holzbildung gewinnen kann. Sein Assistent Wilhelm Kubel schrieb dazu: 

Bei seinen Untersuchungen der Cambialsäfte fand Forstrath Th. Hartig in dem Cambialsafte der Nadelhölze einen Salicin ähnlichen krystallisirenden Körper, welchen derselbe mir zur weiteren Untersuchung überließ. 

Die dabei isolierte kristalline Substanz gehört zur Gruppe der Glucoside und kommt anscheinend in allen Coniferen vor. Sie wurde bisher gewonnen aus Abies excelsa, Pectinata, Pinus Strobus, Cembra und Larix europaea.

Von seinem Vorkommen abgeleitet, wurde der Name Coniferin eingeführt, die anfangs gewählte Bezeichnung Abietin verwendete man für das Harz, welches aus Straßburger und Canadischem Terpentin gewonnen wurde. Hartig bezeichnete den gewonnenen Fichtensaft als Cambialsaft.
Hartigs Assistent Dr. Wilhelm Kubel, später in Holzminden als Apotheker der Marktapotheke bekannt, führte die Experimente mit Coniferin fort:

Die große Überraschung war da! Ein deutlicher Vanille-Geruch stellte sich ein, als Kubel das Produkt aus dem Fichtensaft mit Säure behandelte! 
Dieses Phänomen aufzuklären, war aber dann anderen Wissenschaftlern vorbehalten.
Dr. Wilhelm Kubel führte als Apotheker und Ratsherr ein beschauliches Leben in Holzminden.

Donnerstag, 4. September 2014

Vanillin war teurer als Gold

Eisvanille

In dem Roman "Der Herr der Düfte" lernt Wilhelm als Kind die Vanille bei seiner Großmutter kennen. 


Erst später dann auch die Eisvanille, bei der das Vanillin auf der Schotenoberfläche kristallisiert.Bei Gewürzhändlern und Verbrauchern ist sie sehr begehrt. Die Eisvanille verspricht die höchste Qualität, ähnlich wie der Weinstein beim Wein. Vanillin kristallisiert sich an der Oberfläche der Vanille-Schote zu leichten Schneeblüten, von den Franzosen als Rau-Reif (givre) bezeichnet. 

Das Vanillin als Hauptbestandteil des Aromas ist in der mexikanischen zu 1,3-1,7%, in der Bourbon-Vanille zu 0,75‑2,9% und in der Java-Vanille zu 1,5-2,75% enthalten.

Man gewinnt das reine Vanillin durch Extraktion aus den Schoten.
Im 19. Jahrhundert kostete davon 1 kg bis zu 10000 Reichsmark und war somit teurer als Gold.

Mittwoch, 3. September 2014

Reifeprozess bei der Vanille

Vanilleschoten auf Sansibar
Auch für Wilhelm war der Reifeprozess, also der Übergang von der grünen Schote in die tiefbraun gefärbte Gewürzvanille mit dem herrlichen Aroma, zunächst ein Rätsel. 

Heute wissen wir auch dank Wilhelm mehr über diesen Prozess der Fermentation.

Den größten Anteil an der Aromabildung hat die Substanz Vanillin, die wir alle vom Vanillin-Zucker her kennen.

In der grünen Schote ist das Vanillin noch "versteckt" als Zucker gebunden, der Chemiker spricht von Glucovanillin. Dieses ist noch geruchlos und wird in der Frucht gebildet.

Bei der Fermentation erfolgt dann durch Enzyme die Spaltung in Glucose und Vanillin.

Auf dem Foto erkennt man, wie die natürliche Reifung im Zellgewebe fortschreitet.
In der Praxis unterbricht der Vanille-Farmer diesen Prozess vorzeitig durch Hitze (Heißwasser-Behandlung) und steuert anschließend die Fermentation, um eine einheitliche Qualität zu erzeugen (siehe auch "Schwarze Blume").